Im Mai, wenn die flanderischen Bäuerinnen sich nachts langsam drei schwarze Bohnen nach rückwärts über den Kopf werfen, um sich vor Krankheit und Tod zu schützen, brach Lamms Wunde wieder auf. Er bekam starkes Fieber und begehrte, auf Deck, dem Käfig des Mönches gegenüber zu liegen.
Ulenspiegel war es zufrieden, doch aus Furcht, daß sein Freund bei einem Anfall ins Meer stürzte, ließ er ihn auf seinem Lager tüchtig festbinden.
In seinen lichten Augenblicken empfahl er unablässig, daß man den Mönch nicht vergäße, und streckte ihm die Zunge heraus.
Und der Mönch sprach: „Du beschimpfest mich, Dicker.“
„Nein,“ antworte Lamm, „ich mache Dich fett.“
Ein lauer Wind wehte, die Sonne schien warm. Der fiebernde Lamm war auf seinem Bette gut festgebunden, damit er bei den jähen Anfällen des Fieberwahns nicht vom Schiff spränge. Er wähnte sich noch in der Küche und sprach:
„Der Ofen ist heute hell. Bald wird es Fettammern regnen. Frau, spanne die Schlingen in unserm Obstgarten auf. Du bist schön so mit den bis an den Ellbogen aufgeschlagenen Ärmeln. Dein Arm ist weiß, ich will mit den Lippen hineinbeißen, das sind Sammetzähne. Wem gehört dieser schöne Leib, wem gehören diese schönen Brüste, die unter Deinem weißen Leibchen von feinem Linnen schimmern? Mir, mein süßer Schatz. Wer wird das Frikassee von Hahnenkämmen und Kücken machen? Nicht zuviel Muskat, das macht Fieber. Weiße Brühe mit Thymian und Lorbeeren. Wo sind die Eidotter?“
Dann winkte er Ulenspiegel, das Ohr an seinen Mund zu halten, und sagte ganz leise zu ihm:
„Bald wird es Wildpret regnen, ich werde Dir vier Fettammern mehr aufheben als den Andern. Du bist Kapitän, verrate mich nicht.“
Dann hörte er die Wellen leise an die Schiffswand plätschern.