Alles war ihnen recht, Hühner, Küken, Enten, Tauben, Kälber und Schweine. Eines Tages, da sie mit Beute beladen zurückkehrten, gewahrten Kornhuin und sein Leutnant am Fuß eines Baumes Ulenspiegel schlafend und von Fleischgerichten träumend.
„Was tust Du, um zu leben?“ fragte Kornhuin.
„Ich sterbe vor Hunger“, antwortete Ulenspiegel.
„Was ist Dein Handwerk?“
„Wegen meiner Sünden wallfahrten, die anderen arbeiten sehen, auf dem Seil tanzen, die hübschen Gesichter abkonterfeien, Messergriffe schnitzen, den Rommelpot spielen und die Trompete blasen.“
Wenn Ulenspiegel so kecklich vom Trompeten sprach, so war es, weil er erfahren hatte, daß die Stelle des Wächters vom Schlosse Audenaerde erledigt sei durch den Tod eines alten Mannes, welcher dieses Amt bekleidet hatte.
Kornhuin sagte zu ihm:
„Du sollst Turmbläser sein.“
Ulenspiegel folgte ihm und ward auf dem höchsten Turme der Wälle in eine Warte einquartiert, die von allen vier Winden wohl durchlüftet war, ausgenommen vom Südwind, der dort nur mit einem Flügel wehte. Es ward ihm anbefohlen, die Trompete zu blasen, sobald er den Feind anrücken sähe und dieserhalb den Kopf frei zu halten und immer klare Augen zu haben. Zu dem Ende würde man ihm nicht zuviel zu essen noch zu trinken geben.
Der Hauptmann und sein Kriegsvolk blieben im Turm und hielten den ganzen Tag Gelage auf Kosten des Landes. Da ward mehr als ein Kapaun geschlachtet und aufgefressen, dessen einziges Verbrechen sein Fett war. Ulenspiegel, der allzeit vergessen ward und sich an seiner mageren Suppe genügen lassen mußte, ergötzte sich nicht am Dufte der Saucen. Die Franzosen kamen und raubten viel Vieh, Ulenspiegel blies die Trompete nicht.