Der Jude blickte unruhig umher, als ob er sich überzeugen wollte, daß Sikes nicht insgeheim zurückgekehrt wäre. Befriedigt, wie es schien, durch sein Umherspähen, hustete er ein paarmal und machte ebensoviele Versuche, ein Gespräch anzuknüpfen; allein das Mädchen beachtete ihn nicht mehr, als wenn er eine Bildsäule gewesen wäre. Endlich nahm er sich zusammen und sagte händereibend und im freundlichsten Tone: «Was meinst du denn, liebes Kind, wo wohl sein mag Bill?»

Das Mädchen murmelte in kaum verständlichen Worten, sie könne es nicht sagen, und es schien ihm, als ob sie leise schluchze.

«Und wo wohl mag sein der kleine Oliver?» fuhr er fort, die Augen anstrengend, um etwas von ihrem Gesichte zu erspähen. «Das arme Kind – denk nur, Nancy – wie sie's haben lassen liegen in einem Graben!»

«Da ist ihm wohler als unter uns», sagte das Mädchen, plötzlich aufblickend; «und wenn für Bill nichts Schlimmes daraus entsteht, so will ich hoffen und wünschen, daß der Kleine tot im Graben liegt, und daß seine jungen Gebeine darin verfaulen.»

Den Lippen des Juden entfloh ein Ausruf des Erstaunens.

«Ja, das hoff' und wünsch' ich», fuhr Nancy, seinen Blicken begegnend, fort. «Ich freue mich, daß er mir aus den Augen, und zu wissen, daß das Schlimmste vorüber ist. Ich kann ihn nicht um mich haben; ich verabscheue mich selbst und euch alle, wenn ich ihn sehe.»

«Pah!» fiel der Jude verächtlich ein. «Du bist betrunken, Mädchen.»

«So – betrunken!» höhnte Nancy. «Eure Schuld ist's freilich nicht, wenn ich's nicht bin. Ich wäre niemals nüchtern, wenn's nach Eurem Willen ginge, jetzt ausgenommen! – Meine Laune scheint Euch nicht zu behagen.»

«Nein, durchaus nicht!» sagte der Jude wütend.

«So ändert sie», fuhr das Mädchen mit Lachen fort.