«Laß das», herrschte er ihr zu. «'s ist hell genug für das, was wir zu tun haben.»

«Bill,» sagte sie bestürzt, «was seht Ihr mich so an?»

Er heftete eine kurze Weile schnaubend und mit wogender Brust die Blicke auf sie, packte sie darauf beim Kopfe und der Kehle, zog sie in die Mitte des Gemachs, warf einen einzigen Blick nach der Tür und legte seine schwere Hand auf ihren Mund.

«Bill, Bill!» keuchte sie, in Todesangst unter seinem Griff sich sträubend, «ich will nicht schreien – nicht weinen – hört mich – sprecht doch nur – sagt mir, was ich getan habe.»

«Weißt es selbst, du Satan in Dirnengestalt. Bist belauert gewesen gestern abend; ich weiß jedes Wort, was du gesagt hast.»

«Oh, um der Liebe des Himmels willen,» rief sie, sich fest an ihn anklammernd, «dann schont mein Leben, wie ich Eures geschont habe. Bill, bester Bill, Ihr könnt mich ja nicht morden wollen. Bedenkt, was ich gestern abend um Euretwillen aufgegeben habe. Ihr sollt Zeit haben, es zu bedenken, Euch dies Verbrechen zu ersparen – ich lasse Euch nicht los, nimmermehr! Bill, Bill, um Gottes Barmherzigkeit, um Euret- und um meinetwillen, besinnt Euch, eh' Ihr mein Blut vergießt. Bei meiner sündigen Seele, ich bin Euch treu gewesen!»

Er suchte sich gewaltsam von ihr loszumachen, allein vergebens, sie hielt mit der Kraft der Verzweiflung fest.

«Bill,» rief sie und bemühte sich, den Kopf auf seine Brust zu legen, «der Herr und die liebe Dame boten mir einen Zufluchtsort außer Landes an. Laßt mich noch einmal zu ihnen, daß ich sie auf den Knien anflehe, Euch dieselbe Liebe und Güte zu erweisen, und dann laßt uns aus dieser Höhle entfliehen und weit von hier ein besseres Leben anfangen und unser voriges Leben, ausgenommen im Gebet, vergessen und uns nie wiedersehen. Es ist zur Reue niemals zu spät. Sie sagten es mir – ich fühle es jetzt – aber wir müssen Zeit – ein wenig, ein wenig Zeit haben!»

Er befreite einen seiner Arme und ergriff seine Pistole; doch so wütend er war, der Gedanke, daß sogleich alles entdeckt werden würde, wenn er Feuer gäbe, flog ihm durch den Sinn, und er schlug sie daher mit aller Kraft, die er zu sammeln vermochte, zweimal auf das zu ihm emporgehobene, das seinige fast berührende Gesicht.

Sie wankte und stürzte, fast erblindet von dem aus einer tiefen Wunde in ihrer Stirn hervorströmenden Blute, zu Boden, richtete sich jedoch mühsam wieder auf die Knie, zog ein weißes Tuch – das ihr von Rose geschenkte – aus dem Busen und hielt es in den gefalteten Händen so hoch, als es ihre schwachen Kräfte erlaubten, zum Himmel empor und flehte um Erbarmen zu ihrem Schöpfer.