«Aber woher kann er gekommen sein?» fuhr Toby fort. «Hm! er hat Fremde in den andern Häusern gefunden, und hier ist er schon öfter gewesen. Aber warum kommt er ohne ihn?»
«Er» (keiner nannte den Mörder bei seinem Namen), «er ist sicher übers Wasser,» sagte Kags, «und er hat den Hund zurückgelassen, der sonst nicht so ruhig daliegen würde.»
Als es dunkel geworden war, verschlossen sie den Fensterladen und zündeten Licht an. Die schrecklichen Ereignisse der beiden letzten Tage hatten sie mit Furcht und Entsetzen erfüllt. Sie schreckten bei jedem Laute zusammen und flüsterten nur von Zeit zu Zeit ein paar Worte, als wenn das Gespenst der Ermordeten im Hause umginge. Plötzlich wurde laut an die Haustür geklopft. Crackit sah aus dem Fenster und erblaßte. Sie berieten, und das Ergebnis war, daß er eingelassen werden müsse. Crackit ging und kehrte bald darauf mit einem Manne zurück, der mehr wie des Mörders fürchterlicher Geist als wie Sikes selber aussah, mit seinen erdfahlen, eingefallenen Wangen, erloschenen, tiefliegenden Augen und langgewachsenem Barte. Er wollte sich auf einen Stuhl am Tische niederlassen, schauderte aber und schob den Stuhl dicht an die Wand.
Kein Wort war noch gesprochen worden. Seine Blicke schweiften von dem einen zum andern. Ward ein Auge aufgeschlagen und begegnete dem seinigen, so wurde es augenblicklich wieder gesenkt. Als er endlich das Stillschweigen brach, schreckten alle drei bei dem nie vernommenen hohlen Tone seiner Stimme zusammen.
«Wie kam der Hund hier ins Haus?» fragte er.
«Allein. Vor drei Stunden.»
«Es heißt, daß Fagin eingezogen wäre. Ist's wahr oder gelogen?»
«Vollkommen wahr.»
Es trat ein abermaliges Schweigen ein.
«Geht alle zur Hölle!» hub Sikes endlich, mit der Hand über die Stirn fahrend, wieder an. «Habt ihr mir nichts zu sagen?»