«Charley», sagte Sikes, aufstehend und ein paar Schritte vortretend: «wie – kennst du mich nicht?»

«Kommt mir nicht näher!» rief der Knabe, noch weiter zurückweichend und schaudernd dem Mörder in das Angesicht blickend. «Ihr Ungeheuer – Ihr Unmensch!»

Sikes stand auf halbem Wege still, und beide blickten einander an; aber dann senkte der Mörder allmählich die Augen zu Boden.

«Ich nehm' euch drei zu Zeugen,» rief der Knabe, die geballte Faust schüttelnd und im Fortreden einen immer heftigeren Ton annehmend, «ich nehm' euch drei zu Zeugen, daß ich mich nicht vor ihm fürchte, und wird er hier gesucht, so zeig' ich ihn selbst an. Ich sag's euch rund heraus, er kann mich totschlagen, wenn's ihm beliebt, oder wenn er's wagt, aber bin ich hier, so zeig' ich ihn selbst an, würd' ihn anzeigen, und wenn er lebendig geröstet werden sollte. Hilfe! Mörder! Wenn ihr nicht alle drei elende Memmen seid, so steht ihr mir bei. Hilfe! Mörder! Nieder mit ihm!»

Er warf sich bei diesen Worten allein auf den riesenstarken Mann, und zwar so wütend und plötzlich, daß beide zu Boden stürzten. Die drei Zuschauer waren wie betäubt, machten nicht einmal Miene, sich in das Mittel zu legen, und der Knabe und der Mann wälzten sich um und um, indem jener der auf ihn herabregnenden Streiche nicht achtete, die Kleider des Mörders immer fester vor der Brust desselben faßte, und nicht aufhörte, aus aller Macht nach Hilfe zu rufen.

Der Kampf war jedoch zu ungleich, um lange währen zu können. Sikes hatte seinen Gegner unter sich gebracht und setzte ihm das Knie auf die Kehle, als ihn Crackit mit bestürzter Miene emporriß und nach dem Fenster hinwies. Es schimmerten Lichter auf der Straße unten, eifrige Stimmen ertönten, von der nächsten Brücke her wurde der unaufhörliche Schall von Fußtritten vernommen, wie wenn eine zahllose Menschenmenge herüberkäme, unter welcher sich ein Berittener zu befinden schien, denn man hörte deutlich das Geräusch von Rossehufen auf dem unebenen Steinpflaster. Es wurde immer heller, der Nahenden Anzahl immer größer, und endlich wurde laut an die Haustür geklopft, während ein heiseres Gemurmel unzähliger zorniger Stimmen auch wohl den Beherztesten mit Beben erfüllte.

«Hilfe, zu Hilfe!» schrie der Knabe im durchdringendsten Tone. «Hier ist er, hier ist er! Brecht die Tür auf!»

«In des Königs Namen!» wurde draußen gerufen und wiederum erhob sich, nur lauter, das zornige Gemurmel.

«Schlagt die Tür ein!» schrie Charley. «Sie öffnen sie nimmermehr. Schlagt die Tür ein und dann herauf, wo das Licht ist!»

Ein lautes Hussa ertönte, und es war, als wenn mit hundert und abermals hundert Knütteln und Stangen gegen die Fensterläden gehämmert würde.