Sie sah so freundlich und liebevoll dabei aus und strich ihm so sorglich das Haar von der Stirn zurück, daß er sich nicht enthalten konnte, seine abgezehrte Hand auf die ihrige zu legen und einige, wenn auch unverständliche Worte gerührten Dankes zu murmeln.

«Was es für ein lieber Kleiner ist!» sagte sie mit Tränen in den Augen. «Wie würde sich seine Mutter freuen, wenn sie so wie ich bei ihm gesessen hätte und ihn jetzt sähe!»

«Vielleicht sieht sie mich,» flüsterte Oliver und faltete seine Hände. «Vielleicht war sie bei mir, Ma'am. Es ist mir fast, als wäre sie hier gewesen.»

«Das macht das Fieber, mein Kind», bemerkte Frau Bedwin.

«Kann wohl sein», erwiderte Oliver nachdenklich; «denn der Himmel ist sehr fern, und die Seligen haben es dort zu gut, als daß sie an das Krankenbett eines armen Knaben herunterkommen sollten. Wenn sie es aber gewußt hat, daß ich krank war, so hat sie gewiß Mitleid mit mir gehabt, denn sie war selbst sehr krank, ehe sie starb. Aber – sie mag wohl nichts von mir wissen, denn wenn sie mich hätte niederschlagen sehen, so würde sie sehr betrübt geworden sein, und ihr Gesicht war immer so froh und vergnügt, wenn ich von ihr geträumt habe.»

Frau Bedwin wischte sich die Augen, brachte ihm zu trinken und ermahnte ihn abermals, ganz still zu liegen, weil er sonst wieder krank werden würde. Er schwieg daher und hielt sich vollkommen ruhig, teils weil er der guten Frau nicht ungehorsam sein wollte, und andernteils, weil er durch das, was er gesagt hatte, bereits vollkommen erschöpft war. Er schlief ein, und als er erwachte, stand ein Herr an seinem Bette, der seinen Puls fühlte. «Nicht wahr, mein Kind, du fühlst dich weit besser?» fragte ihn der Herr.

«Ja, ich danke, Sir!» antwortete Oliver.

«Das wußte ich wohl. Und du bist hungrig – nicht wahr?»

«Nein, Sir.»

«Hm! Ja, ganz recht. Du kannst auch in der Tat keinen Hunger empfinden. Er ist nicht hungrig, Frau Bedwin», sagte der Herr mit sehr weiser Miene.