Die Fußtritte kamen näher und näher; endlich öffnete sich die Tür, und der Baldowerer und Charley Bates traten in das Zimmer.

13. Kapitel.

Der Leser macht einige neue Bekanntschaften.

«Wo ist Oliver?» fragte der Jude, sich drohend erhebend. «Wo ist der Junge?»

Die jugendlichen Diebe sahen ihren Lehrmeister erschrocken über dessen Heftigkeit an und blickten unsicher einander an. Aber sie antworteten nicht.

«Was ist aus dem Jungen geworden?» fragte der Jude, indem er den Baldowerer mit festem Griffe beim Kragen packte und fürchterliche Verwünschungen ausstieß. «Sprich, oder ich erdrossele dich! – Willst du sprechen?» fuhr er fort, als keine Antwort erfolgte, und schüttelte den Baldowerer heftig.

Charley erhob ein jammervolles Geheul, sein Freund riß sich los, ergriff ein Messer und war im Begriff, es dem Juden in die Seite zu stoßen, als die Tür geöffnet wurde und ein Vierter, gefolgt von einem knurrenden, zerbissenen Hunde, eintrat.

«Was gibt's hier, zu allen Teufeln? Spitzbube von Juden, was soll das bedeuten?»

Die grobe, polternde Stimme gehörte einem vierschrötigen Manne von etwa fünfundvierzig Jahren mit einem breiten Gesicht und düster grollendem Blicke an. Sein Bart war seit mehreren Tagen nicht abgenommen und das eine Auge von einem Schlage angeschwollen, den er erst vor kurzem erhalten haben mußte. Arm- und Beinschellen dachte man sich bei der ganzen Erscheinung leicht hinzu.

Er setzte sich gemächlich. «Was sind das hier für Sachen?» fuhr er fort. «Warum mißhandelst du die Jungen, du alter, unersättlicher Filz und Pascher?[K] Ich wundere mich nur, daß sie dir die Kehle nicht abschneiden, was ich unfehlbar tun würde, wenn ich in ihrer Haut steckte. Ich hätt's längst getan, wenn ich dein Lehrling wäre. Freilich – verkaufen hätt' ich deinen Haut- und Knochenkadaver nicht können; du bist zu nichts gut, denn als ein merkwürdiges Stück von Häßlichkeit in Spiritus aufbewahrt zu werden, und sie blasen so große Gläser nicht.»