„Zum Beispiel?“
„Zum Beispiel Leichentücher“ gab Mad. Defarge ruhig zurück.
Sobald als möglich suchte sich der Mann einen andern Platz und der Straßenarbeiter wehte sich mit seiner blauen Mütze frische Luft zu, denn es kam ihm schrecklich schwül und drückend vor. Wenn er zu seiner Erfrischung einen König und eine Königin brauchte, so war er so glücklich, das Mittel bei der Hand zu haben; denn sehr bald kam der König mit dem großen Gesicht und die Königin mit dem schönen Gesicht in ihrer goldenen Kutsche heraus, begleitet von dem oeil de boeuf ihres glänzenden Hofes, einer Schaar lachender Damen und feiner Herren; und in Juwelen, Seide, Puder, Glanz und stolzen auf die ganze Welt herabsehenden schönen Gesichtern von Männern und Frauen schwelgte der Straßenarbeiter und berauschte sich so davon, daß er schrie. „Lange lebe der König! Lange lebe die Königin! Lange lebe Alles und Jedes!“ — als ob er nie ein Wort von dem allgegenwärtigen Jacques vernommen hätte. Dann kamen Gärten, Höfe, Terrassen, Springbrunnen, Rasenplätze, wiederum König und Königin, wiederum oeil de boeuf, noch mehr feine Herren und Damen, noch mehr Vivats, bis er vor lauter Schwärmerei weinte. Während dieser ganzen langen Zeit, wol drei Stunden lang, war Alles um ihn Vivatrufen und Freudenthränen und Defarge hielt ihn am Kragen fest, wie um ihn abzuhalten, auf die Gegenstände seiner kurzlebigen Verehrung loszustürzen und sie in Stücke zu zerreißen.
„Bravo!“ sagte Defarge, als es vorbei war, indem er ihn mit Gönnermiene auf den Rücken klopfte; „Ihr seid ein guter Junge!“
Der Straßenarbeiter kam jetzt wieder zu sich und glaubte fast, er habe sich mit seinen Freudenbezeigungen eines Fehlers schuldig gemacht; aber nein!
„Ihr seid der Bursche, den wir brauchen“ sagte Defarge ihm in’s Ohr. „Ihr verleitet diese Thoren zu dem Glauben, daß es ewig dauern werde. Dann sind sie um so anmaßender und das Ende kommt um so eher.“
„Ha!“ rief der Straßenarbeiter nach einigem Besinnen aus; „das ist wahr!“
„Diese Thoren wissen nichts. Während sie Euren Athem verachten und lieber Euch oder Hunderte, wie Euch ersticken sehen möchten, als einen ihrer Hunde oder Pferde, wissen sie blos, was ihnen Euer Athem sagt. So mögen sie sich dann noch eine kleine Weile täuschen; sie können sich nicht genug täuschen.“
Madame Defarge sah den Clienten geringschätzig an und nickte bestätigend.