Als ihr Wein ausgemessen ward, verabschiedete sich ein Mann von einem andern in einer Ecke und stand auf um zu gehen. Er mußte an Miß Proß vorbei. Kaum hatte diese sein Gesicht erblickt, so stieß sie einen Schrei aus und schlug die Hände zusammen.

Zwiefaches Erkennen.

In einem Augenblicke war die ganze Gesellschaft aufgesprungen. Daß Jemand ermordet worden, weil er einem Andern nicht hatte recht geben wollen, war das Wahrscheinlichste. Jedermann erwartete Jemanden auf den Boden sinken zu sehen, sah aber nur einen Mann und eine Frau, die sich mit weitaufgerissenen Augen anstarrten; der Mann dem ganzen äußeren Ansehen nach ein Franzose und ein gesinnungstüchtiger Republikaner; die Frau eine Vollblutengländerin.

Was die Zöglinge des „guten Republikaners Brutus“, als sie sich so enttäuscht sahen, sagten, hätte für Miß Proß und ihren Beschützer ebenso gut hebräisch oder chaldäisch sein können und wenn sie ganz Ohr gewesen wären. Aber sie hatten in ihrem Erstaunen für Nichts Gehör. Denn es muß hervorgehoben werden, daß nicht blos Miß Proß vor Erstaunen und Aufregung außer sich war; sondern daß auch Mr. Cruncher — obgleich wie es schien auf seine eigene und besondere Rechnung — sich vor Verwunderung nicht fassen konnte.

„Was giebt’s?“ sagte der junge Mann, der Miß Proß gegenüber stand, in ärgerlichem schroffem Tone (obgleich leise) und auf englisch.

„Ach Salomo, lieber Salomo!“ rief Miß Proß und schlug ihre Hände wieder zusammen; „nachdem ich so viele Jahre nichts von Dir gesehen oder gehört habe, Dich endlich hier zu finden!“

„Nenne mich nicht Salomo. Willst Du mir den Tod auf den Hals schicken?“ fragte der Mann in verstohlener und verschüchterter Weise.

„Bruder, Bruder!“ rief Miß Proß mit hellen Thränen aus; „bin ich jemals so hartherzig gegen Dich gewesen, daß Du mir so Etwas zutrauen kannst?“