„Sagte ich’s nicht!“ unterbrach sie ihr Bruder heftig. „Ich wußte es ja! Du willst mein Tod sein. Meine eigene Schwester wird mich verdächtig machen. Gerade wie es mir anfängt besser zu gehen!“
„Der gnädige und barmherzige Himmel verhüte das!“ rief Miß Proß aus. „Viel lieber möchte ich Dich nicht wiedersehen, lieber Salomo, obgleich ich Dir immer von Herzen gut gewesen bin und es immer bleiben werde. Sage mir nur ein liebreiches Wort und gieb mir nur die Versicherung, daß keine Entfremdung zwischen uns herrscht und ich will Dich nicht länger aufhalten.“
Gute Miß Proß! als ob die Entfremdung zwischen ihnen ihre Schuld gewesen wäre. Als ob Mr. Lorry es nicht schon vor Jahren in der stillen Ecke in Soho gewußt hätte, daß dieser kostbare Bruder ihr Geld durchgebracht und sie dann sitzen gelassen hatte!
Er sagte jedoch das liebreiche Wort mit einer viel trotzigeren Herablassung und Gönnermiene, als er hätte zeigen können, wenn das thatsächliche Verhältniß zwischen den beiden gerade umgekehrt gewesen wäre, so wie es stets überall geschieht, so groß die Welt ist, als Mr. Cruncher die Hand auf seine Schulter legte und mit heiserer Stimme die unerwartete und eigenthümliche Frage stellte:
„Hört ’mal! mit Verlaub! Heißt ihr eigentlich John Salomo, oder Salomo John?“
Der Beamte wandte sich mit plötzlichem Mißtrauen gegen ihn. Er hatte vorher kein Wort gesprochen.
„Na, sprecht nur!“ sagte Mr. Cruncher. „John Salomo oder Salomo John? Sie nennt Euch Salomo und sie muß es wissen, da sie Eure Schwester ist. Und ich weiß, daß Ihr John heißt, wißt Ihr. Welcher von den beiden Namen kommt zuerst? und wie steht es mit dem Namen Proß? So hießt Ihr nicht über dem Wasser.“
„Was meint Ihr?“
„Na ich weiß nicht alles, was ich meine; denn ich kann mich nicht besinnen, wie Ihr über dem Wasser drüben geheißen habt.“