„Ein andermal, Sir,“ entgegnete dieser ausweichend „es ist jetzt keine gute Zeit zum Erklären. Wobei ich bleibe, ist, daß er recht gut weiß, daß Cly niemals im Sarge gelegen hat. Wenn er nur mit einem Wort von einer einzigen Silbe behaupten will, er hätte d’rin gelegen, so packe ich ihn entweder an der Kehle und erdrossele ihn für eine halbe Guinee“ — Mr. Cruncher wiederholte das, als ob es ein ganz großmüthiges Anerbieten sei — „oder ich gehe fort und zeige ihn an.“
„Hm! eins ist gewiß,“ sagte Carton. „Ich habe noch eine Trumpfkarte, Mr. Barsad. Unmöglich können Sie hier, in diesem wüthenden Paris, wo Argwohn die Luft erfüllt, eine Anklage überleben, wenn Sie im Verkehr mit einem andern aristokratischen Spion stehen, der dieselben Antecedenzien hat wie Sie, und bei dem außerdem der verdächtige Umstand zu bedenken ist, daß er sich todt gestellt hat, und wieder lebendig geworden ist! Ein Complot in den Gefängnissen, angezettelt von dem Ausländer gegen die Republik. Eine hohe Karte — eine sichere Guillotinenkarte! Halten Sie die Partie?“
„Nein!“ entgegnete der Spion. „Ich gebe sie auf. Ich gebe zu, daß wir so unpopulär bei dem zuchtlosen Pöbel waren, daß ich nur auf die Gefahr hin, in einer Pferdeschwemme ertränkt zu werden, England verlassen konnte, und daß Cly so hin und her gehetzt ward, daß er ohne diesen Betrug gar nicht lebendig fortgekommen wäre. Aber wie dieser Mann weiß, daß es ein Gaukelspiel war, ist mir ein Wunder über alle Wunder.“
„Zerbrecht Euch nicht den Kopf über diesen Mann,“ entgegnete der streitfertige Mr. Cruncher; „es wird Euch Mühe genug machen diesem Herrn Eure Aufmerksamkeit zu schenken. Und merkt’s Euch noch einmal!“ — Mr. Cruncher ließ sich nicht abhalten seine Großmuth etwas auffällig zur Schau zu tragen — „ich packe Euch an der Kehle und erdrossele Euch für eine halbe Guinee.“
Der Spion wendete sich von ihm an Sydney Carton und sagte mit mehr Entschiedenheit: „wir müssen zum Abschluß kommen. Ich muß bald auf meinen Posten und meine Zeit pünktlich einhalten. Sie sagten, Sie hätten mir einen Vorschlag zu machen; wie lautet er? Ich erkläre Ihnen von vorn herein, es nützt Ihnen Nichts, zuviel von mir zu verlangen. Verlangen Sie Etwas von mir in meiner amtlichen Stellung, was meinen Kopf in außerordentliche Gefahr bringt, so will ich mein Leben lieber auf die Chancen einer abschläglichen, als einer zustimmenden Antwort wagen. So würde ich meine Wahl treffen. Sie sprachen von Verzweiflung. Wir alle hier sind verzweifelt. Vergessen Sie nicht! ich kann Sie anklagen, wenn ich es für gut finde und ich kann mich durch steinerne Mauern hindurchschwören und Andere können das auch. Nun sagen Sie, was wollen Sie von mir?“
„Nicht sehr viel. Sie sind Schließer in der Conciergerie?“
„Ich sage Ihnen ein für allemal, es ist durchaus kein Entweichen möglich,“ sagte der Spion fest.
„Warum sagen Sie mir Etwas wonach ich nicht gefragt habe? Sie sind Schließer in der Conciergerie?“
„Zuweilen.“
„Sie können es sein wann Sie wollen?“