Mr. Lorry hatte daran nicht gedacht und er warf auf Carton einen raschen Blick, um zu sehen ob er so etwas im Sinne habe. Es schien so; er gab den Blick zurück und verstand ihn offenbar.
„Sie könnte sich tausenderlei denken,“ sagte Carton, „und jeder dieser Gedanken würde nur ihre Seelenangst vermehren. Sprechen Sie nicht zu mir von ihr; wie ich Ihnen sagte, als ich zuerst zu Ihnen kam: es ist besser, daß ich sie nicht sehe. Auch ohne das kann ich ihr die kleinen Hülfen leisten, zu denen sich vielleicht Gelegenheit findet. Sie gehen jedenfalls zu ihr? Ich bedaure sie aufrichtigst.“
„Ich gehe jetzt hin.“
„Das freut mich. Sie hängt so fest an Ihnen und verläßt sich so fest auf Sie. Wie sieht sie aus?“
„Bekümmert und unglücklich, aber sehr schön.“
„Ach!“
Es war ein langer, schmerzdurchdrungener Ton, wie ein Seufzer — fast wie ein Schluchzen. Es veranlaßte Mr. Lorry’s Augen Carton anzusehen, dessen Gesicht dem Feuer zugewendet war. Ein Licht oder ein Schatten (der alte Herr hätte nicht sagen können, welches von beiden) verschwand von demselben so rasch, wie an einem stürmischen und doch schönen Tage ein Lichtwechsel über einen Wiesenhang fliegt, und er hob den Fuß um eins der kleinen brennenden Holzscheite, das von dem Heerde fallen wollte, zurückzuschieben. Er trug den weißen Reitrock und die Stolpenstiefeln, die damals Mode waren und der Gegensatz dieser hellen Tracht zu seinem langen braunen, zwanglos und fast ungeordnet um das Gesicht hängendem Haar, machte ihn sehr blaß aussehend. Seine Unbekümmertheit um Feuerschaden war merkwürdig genug, um Mr. Lorry zu einem warnenden Wort zu veranlassen; er hatte den Stiefel immer noch auf die sprühenden Kohlen des brennenden Scheites gesetzt, als es unter dem Gewicht seines Fußes zerquetscht wurde.
„Ich hatte es vergessen,“ sagte er.
Mr. Lorry mußte ihn wieder ansehen. Wie er die Angegriffenheit der von Natur schönen Züge bemerkte, konnte er nicht umhin, an den den Gefangenengesichtern eigenen Ausdruck zu denken, der ihm ja jetzt so oft vor Augen kam.