„Die Antwort die ich darauf von dem erhielt, der als Zweiter gesprochen hatte, war: „„Doctor, Ihre Clienten sind Leute vom Stande. Was die Beschaffenheit des Falls betrifft, so sagt uns unser Vertrauen auf Ihre Kunst, daß Sie denselben viel besser durch eigene Anschauung kennen lernen werden, als wir ihn Ihnen beschreiben können. Genug. Wollen Sie gefälligst in den Wagen steigen?“
„Ich konnte Nichts thun als mich fügen und stieg schweigend ein. Beide folgten mir und der Letzte sprang herein, nachdem der Tritt aufgeklappt war. Der Wagen ward gewendet und fuhr mit der früheren Schnelligkeit davon.
„Ich wiederhole diese Unterredung genau so, wie sie vor sich ging. Ich bezweifle nicht, daß sie Wort für Wort dieselbe war. Ich beschreibe Alles genau so, wie es sich zutrug und zwinge meinen Geist, nicht von seinem Gegenstande abzuschweifen. Wo ich die Zeichen mache, die hier folgen, breche ich vor der Hand ab und verberge meine Papiere im Versteck. ****
„Der Wagen hatte die Straße bald hinter sich, fuhr zur Nord-Barriere hinaus und auf der Landstraße weiter. Ohngefähr drei Viertelstunden vor der Barriere — ich schätzte damals die Entfernung nicht ab, aber bei einer spätern Gelegenheit — lenkte der Wagen von der Hauptstraße ab und hielt gleich darauf vor einem einsam gelegenen Hause. Wir stiegen alle Drei aus und gingen auf einem weichen, feuchten Fußwege durch einen Garten, wo ein vernachlässigter Springbrunnen übergelaufen war, nach der Hausthür. Auf das Schellen mit der Glocke ward sie nicht sofort geöffnet und einer meiner Führer schlug den Mann, der an die Thür kam, mit einem schweren Reithandschuh ins Gesicht.
„Es war nichts in dieser Handlung, was meine besondere Aufmerksamkeit erregte; denn ich hatte gemeine Leute öfter wie Hunde schlagen sehen. Aber der Andere von den Brüdern, der ebenfalls ärgerlich war, schlug den Mann auch und dabei waren die Brüder in Haltung und Aussehen so vollkommen gleich, daß ich jetzt gewahr wurde, es waren Zwillingsbrüder.
„Schon wie wir am äußern Thor (das verschlossen war und das einer der Brüder, um uns einzulassen, geöffnet und dann von Neuem zugeschlossen hatte) abgestiegen waren, hatte ich ein lautes Schreien von einem obern Zimmer her gehört. Man führte mich geradewegs nach diesem Zimmer; das Schreien wurde immer lauter, wie wir die Treppe hinauf stiegen, und ich fand eine Kranke im hitzigen Fieber auf einem Bett liegen.
„Die Kranke war ein Weib von großer Schönheit und jung; jedenfalls nicht viel über Zwanzig. Ihr Haar war wirr und zerzaust und ihre Arme mit Schärpen und Taschentüchern niedergebunden. Ich bemerkte, daß diese Binden alle von Herrenkleidern herrührten. Auf einer derselben, einer mit Fransen besetzten Schärpe für einen Festanzug, sah ich ein adliches Wappen und den Buchstaben E eingestickt.
„Ich sah dies in der ersten Minute, wo ich vor der Kranken stand; denn in ihren ruhelosen Bewegungen hatte sie sich auf dem Rande des Bettes auf das Gesicht gelegt, das Ende der Schärpe in den Mund bekommen und lief Gefahr zu ersticken. Mein Erstes war, meine Hand auszustrecken, um ihr freies Athmen zu verschaffen, und wie ich die Schärpe auf die Seite schob, fiel mein Blick auf die Stickerei in dem Zipfel.
„Ich wendete sie sanft um, legte meine Hände auf ihre Brust, um sie zu beruhigen und sah ihr in’s Gesicht. Ihre Augen standen weit offen und waren ganz verstört, und sie stieß fortwährend durchdringendes Geschrei aus und wiederholte die Worte: „Mein Mann, mein Vater und mein Bruder!“ und zählte dann bis zwölf und sagte: „„still!“ Einen Augenblick und nicht länger hielt sie inne, um zu horchen, und dann fing sie wieder an zu schreien und wiederholte die Worte: „„Mein Mann, mein Vater und mein Bruder!“ und zählte bis zwölf und sagte „„still!“ Immer in derselben Ordnung und in derselben Weise. Es fand auch keine Unterbrechung statt außer der einzigen, regelmäßigen kurzen Pause und immer wieder fing die Reihe der Schmerzensrufe von vorn an.“