„Ich schicke ihn durch Dich. Ich küsse es durch Dich. Ich sage ihm Lebewohl durch Dich.“
„Mein Gatte. Nein! Noch einen Augenblick!“ Er riß sich von ihr los. „Wir werden nicht lange getrennt bleiben. Ich fühle, daß dies bald mein Herz brechen wird; aber ich werde meine Pflicht thun, so lange es geht, und wenn ich sie verlasse, so wird Gott unserer Tochter Freunde erwecken, wie er sie mir erweckt hat.“
Ihr Vater war ihr gefolgt und wäre vor Beiden auf die Knie gefallen, wenn ihn nicht Darnay bei der Hand gefaßt und ausgerufen hätte:
„Nein, nein! was haben Sie gethan, daß Sie vor uns knieen sollten! Wir wissen jetzt, welchen Kampf Sie vor Zeiten zu bestehen hatten. Wir wissen jetzt, was Sie zu dulden hatten, als Sie meine Herkunft argwöhnten und als Sie Gewißheit darüber erhielten. Wir wissen jetzt, welche natürliche Antipathie Sie ihretwegen bekämpften und besiegten. Wir danken Ihnen aus vollem Herzen und mit all unserer Liebe und Pflicht. Der Himmel sei mit Ihnen!“
Des Vaters einzige Antwort war, mit den Händen in die weißen Haare zu fahren und sie mit lautem Jammern zu ringen.
„Es konnte nicht anders sein,“ sagte der Gefangene, „Alles hat so zusammengewirkt wie es gekommen ist. Es war das stets vergebliche Bestreben meiner armen Mutter Gebot nachzukommen, was mich zuerst in verhängnißvolle Berührung mit Ihnen brachte. Aus so Bösem konnte nie Gutes kommen, und ein glücklicheres Ende lag nicht in dem Wesen eines so unglücklichen Anfangs. Trösten Sie sich und verzeihen Sie mir. Der Himmel segne Sie!“
Als man ihn fortführte, lies ihn seine Frau los und sah ihm nach mit zum Gebet gefalteten Händen und mit einem strahlenden Ausdruck auf ihrem Antlitz, in welchem selbst ein tröstendes Lächeln war. Als er durch die Gefangnenthür verschwand, wendete sie sich um, legte ihren Kopf zärtlich an ihres Vaters Brust, versuchte zu sprechen und sank bewußtlos zu seinen Füßen nieder.
Da trat aus der dunkeln Ecke, die er nie verlassen hatte, Sydney Carton hervor und hob sie auf. Nur ihr Vater und Mr. Lorry waren bei ihr. Sein Arm zitterte als er sie in die Höhe hob und ihren Kopf unterstützte. Aber in seinem Gesicht sprach sich nicht blos Mitleid aus, — es lag auch ein Anflug von Stolz darin.
„Soll ich sie nach einem Wagen tragen? Ich fühle ihre Last nicht.“
Er trug sie leichten Schrittes nach der Thür und legte sie mit zärtlicher Sorgfalt in eine Kutsche. Ihr Vater und ihr alter Freund stiegen hinein und er nahm neben dem Kutscher Platz.