Zweite durchgesehene Auflage.

Ein Werk des Auslandes, das, noch bevor es in einer deutschen Uebersetzung erschien, die Federn unsrer Journalisten in so lebhafte Bewegung versetzte, hier die wärmste Anerkennung fand, dort lebhaften Widerspruch hervorrief, überall aber das größte Interesse erweckte — ein solches Werk muß wohl ein bedeutendes sein. Und das ist J. Michelet’s Buch über „die Liebe“ im eigentlichsten Sinne des Wortes, bedeutend durch seinen Gegenstand, der die tiefsten Fragen der Menschheit berührt, an denen Jedermann betheiligt ist, bedeutend durch seinen Verfasser, der ein so altes Thema so neu behandeln konnte, daß der größte der jetzigen Kritiker unter den Franzosen das Buch, „das wahre Hohe Lied der Liebe“ nennt und gesteht, daß so noch Niemand über diesen Gegenstand gesprochen habe. In gleich anerkennender Weise spricht sich Gutzkow in den „Unterhaltungen am häuslichen Herd“ über das Werk aus und das Londoner Athenäum sagt über dasselbe: „Die Ehe in ihrem reinsten und christlichsten Sinne ist der Gegenstand dieses Buches, das mit unendlicher und reizendster Zartheit und Feinheit lehrt, wie man sich ein glückliches Haus schaffen, wie man den Honigmond verlängern, wie man Hand in Hand den Berg des Lebens hinaufgehen und das Thal desselben hinabsteigen kann. Voll von vortrefflichen und beseligenden Gedanken, glänzend und oft tiefsinnig wie es ist, sucht es die Heiligkeit der natürlichen Triebe wieder herzustellen und die Liebe in ihrer Reinheit und Treue zur Religion des Herzens zu erheben“. Aber lassen wir den Verfasser mit seinen eignen Worten den erhabenen Standpunkt angeben, von dem aus er das weite Feld überblickte, das zu bearbeiten er vor Allen berufen war.

„Der ausführliche Titel dieses Buches, der seinen Zweck, Sinn und seine Bedeutung vollständig ausdrückte, wäre: Die moralische Befreiung durch die wahre Liebe. Diese Frage der Liebe gährt gewaltig und dunkel unter den Tiefen des menschlichen Lebens. Sie trägt die Grundfesten selbst, auf denen das Leben ruht. Die Familie stützt sich auf die Liebe, und die Gesellschaft auf die Familie. So ist denn die Liebe die erste unter ihnen. Wie die Sitten, so der Staat. Die Freiheit wäre ein leerer Schall, wenn der Bürger Sclavensitten bewahrte. Wir suchten hier ein Ideal, aber ein solches, das sich heute realisiren kann, nicht eins, das man für eine bessere Gesellschaft aufsparen müßte. Es ist die Reform der Liebe, die den andern Reformen vorausgehen muß, und sie überhaupt erst möglich macht.


Um den überreichen Inhalt des Buches einigermaßen überschauen zu können, wird es genügen, die Ueberschriften der Kapitel zu geben.

Von der Schaffung der Geliebten.

Von der Frau. — Die Frau ist eine Kranke. — Die Frau darf nur wenig arbeiten. — Der Mann muß für Zwei verdienen. — Wie soll die Braut sein? — Soll man eine Französin heirathen? — Die Frau will die Stetigkeit und Vertiefung der Liebe. — Du mußt deine Frau schaffen. — Was bin ich, um das zu vermögen?

Einweihung und Vereinigung.

Die Ehe. — Die Hochzeit. — Das Erwachen. — Die junge Hausfrau. — Ihr dürft den Kreis der Häuslichkeit nicht zu groß ziehen. — Der Tisch. — Die Bedienung. — Diätetik. — Von der intellectuellen Befruchtung. — Von der moralischen Zeitigung.