Sie pochten an die Tür, und eine gute Frau machte ihnen auf und fragte nach ihrem Begehr.

Der kleine Däumling sagte, sie seien arme Kinder, die sich im Walde verirrt hätten, und sie bäten um Gottes willen um ein Nachtlager.

Wie die Frau die netten Kinder sah, fing sie an zu weinen und sagte zu ihnen:

»Ach, meine armen Kinder, wohin seid ihr geraten! Wißt ihr nicht, daß hier ein Riese wohnt, der kleine Kinder frißt?«

»Gute Frau,« antwortete ihr der kleine Däumling, der ebenso wie seine Brüder am ganzen Leibe zitterte, »was sollen wir jetzt anfangen? Gewiß werden uns die Wölfe heute im Walde auffressen, wenn Ihr uns nicht aufnehmen wollt. Da ist es schon besser, daß uns der Herr frißt; vielleicht hat er aber Mitleid, wenn wir ihn darum bitten.«

Da ließ die Frau die Kinder hinein, denn sie hoffte, sie bis zum nächsten Morgen vor ihrem Manne verstecken zu können. Sie führte sie an ein helles Feuer, damit sie sich wärmen konnten. Es wurde nämlich gerade ein Hammel am Spieße gebraten als Abendessen für den Riesen. Kaum fingen die Kinder an, warm zu werden, da hörten sie es drei- bis viermal an die Haustür donnern. Das war der Riese, der zurückkam. Schleunigst versteckte die Frau die Kinder unter dem Bett und öffnete.

Zuerst fragte der Riese, ob sein Abendbrot fertig und ob der Wein abgefüllt sei, und setzte sich zu Tisch. Der Hammel war noch ganz blutig, aber das schien ihm gerade recht. Dann schnüffelte er rechts und links und sagte, es röche ihm nach frischem Fleisch.

»Das wird wohl der Hammel sein, den ich soeben gebraten habe«, meinte seine Frau.