»Du magst recht haben,« brummte der Riese, »gib ihnen aber gut zu essen, damit sie mir nicht abmagern, und bring sie dann zu Bett!«
Die gute Frau war außer sich vor Freude und brachte den Kindern ein schönes Abendessen. Doch sie konnten keinen Bissen anrühren, so sehr zitterten sie vor Angst. In bester Laune setzte sich der Riese hin und freute sich, für seine Kumpane einen so schönen Leckerbissen erwischt zu haben. Er trank und trank zwölf Glas mehr als sonst. Das stieg ihm in den Kopf, und er legte sich zu Bett.
Der Riese besaß sieben junge Töchter. Diese Riesinnen hatten alle eine wunderschöne Haut, da sie sich ebenso wie ihr Vater von frischem Fleische nährten; aber sie hatten kleine, graue, ganz runde Augen, eine große Nase und einen großen Mund mit langen, spitzen und weit auseinanderstehenden Zähnen. Sie waren noch nicht sehr bösartig, aber doch vielversprechend, denn sie fingen schon an, die kleinen Kinder zu beißen und ihnen das Blut auszusaugen.
Sie waren schon früh zu Bette gebracht worden und schliefen alle in einem einzigen großen Bett. Jede von ihnen trug eine goldene Krone auf dem Kopfe. In demselben Zimmer stand ein zweites Bett von derselben Größe. In dieses Bett legte die Frau des Riesen die sieben kleinen Jungen. Dann ging sie selbst zur Ruhe.
Der kleine Däumling hatte gesehen, daß die Töchter des Riesen goldene Kronen auf dem Kopfe trugen, und da er fürchtete, es möchte den Riesen reuen, daß er sie nicht schon am selben Abend abgeschlachtet hatte, stand er gegen Mitternacht auf, nahm sich und seinen Brüdern die Mütze vom Kopf und setzte sie, mit aller Vorsicht, den sieben Riesentöchterchen auf. Seinen Brüdern und sich selbst setzte er die goldenen Kronen auf, die er jenen genommen hatte. So mußte der Riese die Knaben für seine Töchter und seine Töchter für die Knaben halten, die er schlachten wollte.
Es kam genau so, wie es sich der kleine Däumling gedacht. Der Riese wachte um Mitternacht auf, und es tat ihm leid, daß er bis zum anderen Tage verschoben hatte, was er sofort erledigen wollte. Mit einem mächtigen Satz sprang er aus seinem Bett und griff zu seinem Messer:
»Nun wollen wir mal sehen, was unsere kleinen Schelme machen! So etwas gibt es nicht zum zweiten Male.«
So sprechend, tappte er im Dunkeln hinauf ins Zimmer seiner Töchter und trat an das Bett heran, in dem die kleinen Knaben lagen. Sie schliefen alle fest, nur der kleine Däumling wachte. Ein Gruseln überlief ihn, als er die tastende Hand des Riesen fühlte, der vorher schon alle seine Brüder abgetastet hatte. Wie der Riese die goldenen Kronen berührte, sagte er:
»Donnerwetter, da hätte ich beinahe etwas Schönes angerichtet! Ich habe wahrhaftig am Abend zuviel getrunken.«
Dann ging er an das Bett seiner Töchter, und als er hier die Mützen der Knaben fand, sagte er: