Keine Gefahr! erwiederte Richards; er ist ein alter Virginier (hiermit war unser Gaul gemeint). Ein Stoß jedoch, der unsere Rippen und Beine krachen machte, und uns bei einem Haare rücklings aus der Gig geworfen hätte, machte dem lakonischen Lobe Cäsars, der sich auf die Hinterfüße geworfen hatte, ein Ende.
Etwas muß im Wege sein! rief hier Richards; nun ist es Zeit uns umzusehen.
Wir thaten so, stiegen aus der Gig, und fanden einen gewaltigen Wallnußbaum über unserm Wege liegend. Unsere Reise hatte ihr Ende erreicht. Den ungeheuern Stamm zu passiren, oder die Gig darüber zu bringen, war eine absolute Unmöglichkeit; die Aeste, die zwanzig Schritte in jeder Richtung vorragten, hatten unserm Cäsar eine ziemlich ernstliche Warnung ertheilt. Das Wagengeleise war zudem so enge, daß an ein Umwenden der Gig gar nicht zu denken war. Wir mußten wie die Krebse zurück. Richards versuchte es, den Scheideweg zu finden, und ich, die Gig zurückzuschieben.
Wir hatten uns jedoch mehr vorgenommen, als wir leisten konnten. Kaum war ich mit dem rechten Fuße aus dem Geleise, als mein Mantel bereits an einem ellenlangen Dorne hing. Mit heiler Haut durch diese undurchdringliche Wildniß zu kommen, war bloß für einen Geharnischten möglich. Ich entledigte meinen Mantel seiner Haft, und tappte mich schleunig wieder zum Wagentritt. Freund Richards kam nach einer Weile mit den Worten:
Das ist die schändlichste Wildniß im ganzen Westen; kein Weg, kein Steg, Sumpf über die Ohren, und um mein Mißgeschick voll zu machen, so habe ich meinen Monroestiefel[41] im Schlamm verloren.
[41]: Monroestiefel, Halbstiefel; vom Präsidenten Monroe so genannt.
Und ich denke, in meinem Mantel giebt es so viele Löcher, als Dornen an diesem verwünschten Akazienbaume, erwiederte ich trostweise. Dies waren die letzten Worte, die noch halb und halb gute Laune athmeten; denn nun waren wir bis zur Haut durchnäßt, und ich glaube wirklich, daß unter allen möglichen Situationen eine nasse die zum Scherzen am wenigsten geeignete ist. Den Beweis liefern beide, die Franzosen und ihre Antipoden, die Holländer. Die erstern nämlich werden nur immer in heißen Juni- oder Julitagen rappelköpfisch, und die letztern sind bekanntermaßen nichts weniger als scherzhafte oder gutgelaunte Leute, ein Mangel oder, wie man es nehmen will, eine Tugend, die ohne Zweifel ihrem Vegetiren zwischen Dämmen und Morästen und Kanälen zuzuschreiben ist. Was nun mich betrifft, so liebe ich ein mäßiges Abenteuer, vorausgesetzt es komme nicht gar zu hoch, und verabscheue eine monotone langweilige Quäkerreise, wo Alles zahm und kalt und scheu und verschlagen sich hinzieht, wie diese guten Leute selbst; aber in einem Ahornsumpfe von Nacht und Fluthen überfallen zu werden, und auf der einen Seite nicht drei Schritte den bis zum Rande angeschwellten Tennessee, auf der andern undurchdringliche Wildniß, vorne einen Coloß von Wallnußbaum zu haben und nicht rückwärts zu können — wahrlich! mit all meiner Achtung vor Abenteuern, es war kein Scherz.
Wohl, was ist nun zu thun? fragte Richards, der sich in eine echt theatralische Stellung versetzt hatte, den stiefellosen Fuß auf den Wagentritt stämmend, während der andere im Kothe stak.
Wir spannen Cäsar aus und ziehen die Gig zurück, versetzte ich mit meiner gewöhnlichen Kürze.
Wollte der Himmel, unsere Aufgabe wäre eben so kurz gewesen; aber Wünsche gehen selten oder nie in Erfüllung. Wir machten uns jedoch daran, und schoben und hoben und trugen mit unsäglicher Mühe unsern Wagen beiläufig zwanzig Schritte zurück, wo sich ein offenes Plätzchen zeigte. Freund Richards erfreut sich sehr gesunder Lungenflügel, und auch die meinigen sind nicht die schwächsten. Hatten wir es nun diesen zuzuschreiben oder unserm günstigen Gestirne, kurz, unsere Conversation mit Cäsar wurde plötzlich durch ein lautes Hallo unterbrochen, das dicht vor uns erschallte.