Der Magister. Freilich kann der Verstand bei witzigen Sachen seine Stärke nicht sehen lassen. Aber wie? wenn ich die Fabel selbst gemacht hätte?
Julchen. So würde ich glauben müssen, daß die Schuld an mir läge, warum sie mir nicht schön vorkömmt.
Der Magister. Sie wissen sich gut herauszuwickeln. Ich will es Ihnen gestehen. Es ist meine Arbeit. Ich will mich eben nicht groß damit machen, denn Witz kann auch ein Ungelehrter haben. Aber wollten Sie diese Fabel wohl auflösen? Was soll die Moral sein?
Julchen. Das werden Sie mir am besten sagen können.
Der Magister. Die Moral soll etwan diese sein: Ein schönes Frauenzimmer, die gegen den Liebhaber gar zu lange spröde tut, steht in der Gefahr, daß das Alter ihr schönes Gesicht endlich verwüstet.
Julchen. Sie sind heute recht sinnreich, Herr Magister. Ich merke, die Fabel geht auf mich. Ich bin der Mond. Herr Damis wird die Sonne sein, und die Planeten werden auf Sie und meine Schwester zielen. Habe ich nicht alles erraten?
Der Magister. Ich sehe wohl, wenn man Ihnen seine Gedanken unter
Bildern vorträgt: so machen sie einen großen Eindruck bei Ihnen.
Jungfer Muhme, denken Sie unmaßgeblich an die Fabel und widerstehen
Sie der Liebe des Herrn Damis nicht länger. Was soll ich Ihrem Papa
für eine Antwort bringen?
Julchen. Sagen Sie ihm nur, daß ich über Ihre Fabel hätte lachen müssen: so verdrießlich ich auch gewesen wäre. Ich habe die Ehre, mich Ihnen zu empfehlen.
Funfzehnter Auftritt
Der Magister. Cleon. Siegmund.