Cleon. Lieber Gott, zu wem wollte ich davon reden als zu Ihnen? Ich müßte mich ja schämen.

Siegmund. Wenn Lottchen den Herrn Damis freiwillig wählen sollte: so bin ich viel zu redlich, als daß ich ihr einen Mann mit so großem Vermögen entziehen will.

Cleon. Sie sind die Großmut selbst. Ich kann alles zufrieden sein. Ich wollte Ihnen Julchens Vermögen ebensowohl gönnen als dem Herrn Damis. Freilich wäre die Einteilung nicht uneben. Lottchen wäre durch Herrn Damis' Vermögen und Ihnen durch Julchens Erbschaft geholfen. Ich weiß nicht, was ich anfangen soll.

Siegmund. Also wollten Sie mir, wenn es so weit kommen sollte,
Julchen versprechen?

Cleon. Aber Lottchen hat Sie so lieb, lieber als mich. Und ich dächte, es wäre unbillig, daß Sie sie vergäßen. Ich kann mir nicht einbilden, daß meine Tochter so unbeständig sein sollte. Ich habe sie selber vielmal für Sie beten hören, daß es Ihnen der Himmel möchte wohlgehen und Sie ihr zum Vergnügen leben lassen, wenn es sein Wille wäre. Sollte sie denn so leichtsinnig sein? Nein. Sie irren sich wohl.

Siegmund. Eben deswegen wollen wir die Sache noch geheimhalten. Ich liebe Lottchen wie meine Seele, und ich werde sie auf alle Art zu erhalten suchen.

Cleon. Wir wollen heute zusehn. Wir wollen genau auf alles achtgeben. Ich denke gewiß, es soll bei der ersten Einrichtung bleiben. Ich will Ihnen Lottchen mit einer guten Art herschicken. Sagen Sie ihr nur recht viel Zärtliches vor. Sie hört es gern. Julchen will ich selber noch einmal ausforschen; aber ganz schlau. Ich habe mich lange aufgehalten und den Herrn Simon alleine gelassen. Wenn es nur der rechtschaffene Mann nicht übelnimmt.

Siebenzehnter Auftritt

Siegmund allein.

Das geht gut. Julchen wird noch meine… Sie ist schön, reich und wohlgesittet, aufrichtig, edelgesinnt… Aber, Himmel, wenn Lottchen mein Vorhaben erfahren sollte! Würde sie mein Herz nicht verfluchen?.. . Doch nein. Sie ist sicher. Sie liebt mich… Aber was quält mich? Sind es die Schwüre, die ich ihr…? Unkräftige Schwüre der Treue, euch hört der Himmel nicht… O Julchen, wie reizend bist du! Dich zu besitzen, ist dies kein gerechter Wunsch?