Lottchen. Es ist ein artiges Kind. Sie hat ein Rittergut für funfzigtausend Reichstaler. Sie ist wohlerzogen.
Julchen. So? Aber, wo… Wie heißt sie denn?
Lottchen. Sie ist fast so schön wie du.
Julchen. Das mag ich ja nicht wissen. Wenn ich schön bin: so wird mir's der Spiegel sagen. So muß keine Schwester mit der andern reden. Sage es dem Herrn Damis allein. Ich werde wohl nicht dabei nötig sein. (Sie will gehn.)
Damis. Ach, liebe Mamsell, gehn Sie noch nicht. Ich gehe mit Ihnen.
Julchen. Das wird sich nicht schicken. Das Frauenzimmer mit dem
Rittergute, das sich in Sie verliebt hat, würde es sehr übelnehmen.
Es ist gut, daß Sie sich bei mir in den Liebeserklärungen geübt haben.
Nunmehr werden sie Ihnen wenig Mühe machen.
Lottchen. Höre nur, meine Schwester. Es kömmt erst darauf an, ob das Frauenzimmer dem Herrn Damis gefallen wird. Sie hat freilich schöne große blaue Augen, fast wie du; eine gefällige Bildung und eine recht erobernde Miene; kleine volle runde Hände. (Julchen sieht ihre Hände an.) Sie ist dem Herrn Damis gut; aber sie liebt auch die Freiheit.
Julchen. O ich weiß gar nicht, was du haben willst? Kurz, wie heißt denn das Frauenzimmer, die den Herrn Damis liebt?
Lottchen. Sie heißt ebenfalls, wie du, Julchen.
Julchen. Oh! du willst mich zum Kinde machen.