Die Vorigen. Der Magister.
Der Magister. Herr Simon, ich möchte Ihnen gern ein paar Worte vertrauen. Wenn ich nicht sehr irre: so habe ich heute eine wichtige Entdeckung gemacht, was die Reizungen der Reichtümer für Gewalt über das menschliche Herz haben.
Simon. Ich fürchte, daß mir diese unglückliche Entdeckung schon mehr als zu bekannt ist.
Der Magister. Ich habe der Sache alleweile auf meiner Studierstube nachgedacht.
Julchen. Können Sie uns denn sagen, wie ihr zu helfen ist? Tun Sie es doch, lieber Herr Magister.
Der Magister. Siegmund muß bestraft werden, damit er gebessert werde.
Simon. Er verdient nicht, daß man ihn anders bestrafe als durch
Verachtung.
Der Magister. Aber wie sollen seine Willenstriebe gebessert werden?
Simon. Ist denn die Verachtung kein Mittel, ein Herz zu bessern?
Der Magister. Das will ich itzt nicht ausmachen. Aber sagen Sie mir, Herr Simon, ob die Stoiker nicht recht haben, wenn sie behaupten, daß nur ein Laster ist; oder daß, wo ein Laster ist, die andern alle ihrer Kraft nach zugegen sind? Sehn Sie nur Siegmunden an. Ist er nicht recht das Exempel zu diesem Paradoxo?