Man lief die beiden ersten Tage
Dem Esel mit Bewundrung nach.
Der Kranke selbst vergaß der Krankheit Plage,
Wenn man vom grünen Esel sprach.
Die Kinder in den Schlaf zu bringen,
Sang keine Wärterin mehr von dem schwarzen Schaf;
Vom grünen Esel hört man singen,
Und so gerät das Kind in Schlaf.
Drei Tage waren kaum vergangen:
So war es um den Wert des armen Tiers geschehn.
Das Volk bezeigte kein Verlangen,
Den grünen Esel mehr zu sehn.
Und so bewundernswert er anfangs allen schien:
So dacht itzt doch kein Mensch mit einer Silb an ihn.
——
Ein Ding mag noch so närrisch sein,
Es sei nur neu: so nimmts den Pöbel ein.
Er sieht, und er erstaunt. Kein Kluger darf ihm wehren.
Drauf kömmt die Zeit, und denkt an ihre Pflicht;
Denn sie versteht die Kunst, die Narren zu bekehren,
Sie mögen wollen oder nicht.
Der gute Rat
Ein junger Mensch, der sich vermählen wollte,
Und dem man manchen Vorschlag tat,
Bat einen Greis um einen guten Rat,
Was für ein Weib er nehmen sollte?
"Freund", sprach der Greis, "das weiß ich nicht.
So gut man wählt, kann man sich doch betrügen.
Sucht Ihr ein Weib bloß zum Vergnügen:
So wählet Euch ein schön Gesicht;
Doch liegt Euch mehr an Renten und am Staate,
Als am verliebten Zeitvertreib:
So dien ich Euch mit einem andere Rate,
Bemüht Euch um ein reiches Weib;
Doch strebt Ihr durch die Frau nach einem hohen Range,
Nun so vergeßt, daß beßre Mädchen sind,
Wählt eines großen Mannes Kind,
Und untersucht die Wahl nicht lange;
Doch wollt Ihr mehr für Eure Seele wählen,
Als für die Sinnen und den Leib:
So wagts, um Euch nach Wunsche zu vermählen,
Und wählt Euch ein gelehrtes Weib."
Hier schwieg der Alte lachend still.
"Ach", sprach der junge Mensch, "das will ich ja nicht wissen:
Ich frage, welches Weib ich werde wählen müssen,
Wenn ich zufrieden leben will?
Und wenn ich, ohne mich zu grämen—"
"O", fiel der Greis ihm ein, "da müßt Ihr keine nehmen!"
Der gütige Besuch
Ein offner Kopf, ein muntrer Geist,
Kurz, einer von den feinen Leuten,
Die ihr Beruf zu Neuigkeiten
Nie denken, ewig reden heißt;
Die mit Gewalt es haben wollen,
Daß Kluge närrisch werden sollen;
Ein solcher Schwätzer trat herein,
Dem Dichter den Besuch zu geben.
"O", rief er, "welch ein traurig Leben!
Wie? Schlafen Sie denn nicht bei Ihren Büchern ein?
So sind Sie denn so ganz allein,
Und müssen gar vor Langerweile lesen?
Ich dacht es wohl, drum kam ich so geschwind."
"Ich bin", sprach der Poet, "noch nie allein gewesen,
Als seit der Zeit, da Sie zugegen sind."