Itzt naht sie sich dem großen Spiegel,
Vor dem sie manchen Tag in Mienen sich geübt,
Besieht den weißen Hals, bewundert ihre Flügel,
Und fängt schon an, in sich verliebt,
Mit jüngferlichem Stolz sich kostbar zu gebärden.
Ach Götter! ruft ihr Freund betrübt,
Laßt diese Taube doch zur Chloris wieder werden.

Umsonst, spricht Venus, ist dein Flehn;
Zur Taube schicket sie sich schön,
Und niemals werd ich ihr die Menschheit wiedergeben.
Sie hat geseufzt, gebuhlt, gelacht,
Sich stets geputzt, und nie gedacht;
Als Taube kann sie recht nach ihrer Neigung leben.

O wenn sich nur die Göttin nicht entschließt,
Die Schönen alle zu verwandeln,
Die ebenso, wie Chloris, handeln!
Man sagt, daß sie es willens ist.
Ach, Göttin, ach! wie zahlreich wird auf Erden
Alsdann das Volk der Tauben werden!
Mit einer Frau wird man zu Bette gehn,
Und früh auf seiner Brust ein Täubchen sitzen sehn.
Mich dauert im voraus manch reizendes Gesicht.
O liebe Venus, tu es nicht!

Cleant

Cleant, ein lieber Advokat,
Der, wie es ihm nach seinem Eid gebührte,
Der Unterdrückten Sache führte,
Und manchen armen Schelm vom Galgen und vom Rad
Durch seinen Witz losprozessierte,
Half, weil man ihn um seinen Beistand bat,
Die Unschuld zweener Diebe retten,
Und brachte sie, weil er geschickt verfuhr,
Bald von der Marter zu dem Schwur,
Und durch den Schwur aus ihren Ketten.
Das arme Volk! Da sieht mans nun,
Wie man der Welt kann Unrecht tun!
Denn wär er nicht so treu die Sache durchgegangen:
So hätte man das arme Paar,
Das seiner Tat fast überwiesen war,
In aller Unschuld aufgehangen.
Itzt waren sie nun beide frei,
Und dankten ihrem Advokaten
Auf ihren Knien für seine Treu,
Und zahlten ihm, was die Gebühren taten,
Und gaben ihm, von Dankbarkeit gerührt,
Ob er gleich nicht zu wenig liquidiert,
Noch einen Beutel mit Dukaten;
Und schwuren ihm bei ihrer Ehrlichkeit,
Wenn beßre Zeiten kommen sollten,
Daß sie für diesen Dienst, durch den er sie befreit,
Ihn reichlicher belohnen wollten.

Allein die Nacht war vor der Tür.
Sie sahn nun, daß sie nicht nach Hause kommen könnten;
Drum gab der Advokat den redlichen Klienten
Aus Dankbarkeit ein Nachtquartier,
Weil sie so gut bezahlet hatten.
Dies kam den Herren gut zustatten;
Denn sie bedienten sich der Nacht,
Und knebelten den lieben Wirt im Bette,
Und stahlen das, was sie gebracht,
Und suchten fleißig nach, ob er nichts weiter hätte.
Drauf gingen sie zu ihm vors Bette,
Und nahmen höflich gute Nacht.

Cotill

Cotill, der, wie es vielen geht,
Nicht wußte, was er machen sollte,
Und doch nicht müßig bleiben wollte;
Denn müßig gehn, wenn mans nicht recht versteht,
Ist schwerer, als man denken sollte;
Cotill ging also vor die Stadt,
Und machte sich etwas zu schaffen.
Er ging, und schlug im Gehen oft ein Rad.
"O", schrie man, "seht den jungen Laffen,
Der den Verstand verloren hat!
Er macht die Hände gar zu Füßen.
Ihr Kinder, zischt den Narren aus!"
Allein Cotill ließ sich dies alles nicht verdrüßen.
Kurz, es gefiel ihm so, er ging vors Tor hinaus.
Man mochte, was man wollte, sagen,
Er fuhr doch fort, im Gehn sein Rad zu schlagen.
"Der Teufel! Seht, das war ein rechtes Rad!"
Fing endlich einer an zu fluchen.
"Ich möcht es doch bald selbst versuchen."
Er sagt es kaum, als ers schon tat.
"Nun", sprach er, "seh ich wohl, wieviel man Vorteil hat.
Es ist ganz hübsch um so ein Rad,
Denn man erspart sich viele Schritte.
Der Mann ist nicht so dumm, der es erfunden hat."
Den Tag darauf kam schon der dritte,
Und tat es nach. Die Zahl vermehrte sich.
In kurzem sprach man schon gelinder;
Man fragte stark nach dem Erfinder,
Und lobt ihn endlich öffentlich.

——

Nimm alles vor, es sei so toll es will.
Heiß anfangs närrisch wie Cotill;
Dein Beifall ist drum nicht verloren.
Sei nur beherzt, und spare keinen Fleiß,
Ein Tor findt allemal noch einen größern Toren,
Der seinen Wert zu schätzen weiß.