Ei, das geht gut! Ich kann mich nicht genug erfreun.
Das muß ein rechter Ehmann sein!
Die Mäurer fördern sich, und binnen vierzehn Tagen
Sieht man das erste Stockwerk stehn.
Und nun läßt sich Elmire wieder sehn.
Man siehts ihr an, sie hat etwas zu sagen,
Vielleicht sah sie die Mäurer müßig stehn;
Denn leider pflegts so herzugehn.
Vielleicht hat man am Bau etwas versehn?
Das sollte mich doch selbst verdrüßen.
Itzt öffnet sie den Mund. Nun wird sichs zeigen müssen.
"Ach", fängt sie heftig an zu schrein:
"Hört auf, und reißt den Plunder ein!
Ich lasse keinen Stein mehr tragen.
Wofür verbaut ich denn mein Geld?
Für Männer, die die Weiber plagen?
Denn andre gibts nicht auf der Welt."
Die böse Frau! Man sollte sie verklagen.
Das junge Mädchen
Ein junger Mensch sprach einen wackern Mann
Durch einen guten Freund um seine Tochter an.
Der Alte, der sein Kind noch nicht versprechen wollte,
War dennoch ungemein erfreut,
Und bat den Freund mit vieler Höflichkeit,
Daß er bei ihm zu Tische bleiben sollte.
Die Tochter, ob sich gleich der Vater sehr verstellt,
Errät die Sache bald. Was? fängt sie an zu schließen,
Ein fremder Herr, den man zu Tische gleich behält,
Was bringt doch der? Ich solls nicht wissen;
Allein umsonst bückt er sich nicht so tief vor mir.
Ist auch der gute Freund wohl meinetwegen hier?
Der Fremde hofft, es soll ihm noch gelingen,
Und wagt es bei dem Glase Wein,
Das Wort für seinen Freund noch einmal anzubringen.
"Mein Herr!" fiel ihm der Vater ein,
"O denken Sie doch nicht, daß ich zu hart verfahre:
Mein Kind kann wirklich noch nicht frein,
Sie ist zu jung, sie ist erst vierzehn Jahre."
Indem er dies noch sprach, trat Fickchen selbst herein,
Und trug ein Essen auf. "Was?" fing sie an zu schrein,
"Was sagten Sie, Papa? Sie haben sich versprochen.
Ich sollt erst vierzehn Jahre sein?
Nein, vierzehn Jahr und sieben Wochen."
Ließ sie der Vater denn nicht frein?
Das weiß ich nicht; doch nein, ich wills nur sagen;
Denn unter denen, die mich fragen,
Da könnten wohl selbst junge Mädchen sein;
Die zu beruhigen, will ichs aufrichtig sagen:
Der Vater schämte sich und ließ die Tochter frein.
Das Kartenhaus
Das Kind greift nach den bunten Karten,
Ein Haus zu bauen, fällt ihm ein.
Es baut, und kann es kaum erwarten,
Bis dieses Haus wird fertig sein.
Nun steht der Bau. O welche Freude!
Doch ach! ein ungefährer Stoß
Erschüttert plötzlich das Gebäude,
Und alle Bänder reißen los.
Die Mutter kann im Lomberspielen,
Wenn sie den letzten Satz verspielt,
Kaum so viel banges Schrecken fühlen,
Als ihr bestürztes Kind itzt fühlt.