§. 5. Gelbe Gemmen und verwandte Gesteine.
A. Unsere Gattung Topas.
Der Juwelier bezeichnet meist alle gelben Edelsteine mit dem Namen Topas, wie gelben Korund, gelben Spinell u.s.w.; mineralogisch ist die Gattung durch Krystallform, Härte, Schwere und chemischen Gehalt scharf begrenzt, hat verschiedene Farben.
Ceylon, wie ganz Indien, so reich an allen andern Edelsteinen, hat merkwürdiger Weise gar keine Topase, oder wenn sie sich hier finden sollten, was hier und da behauptet wird, so erscheinen sie wenigstens als höchste Seltenheit; was der Juwelier orientalischen Topas nennt, ist meist gelber Korund, der sary jakut der Orientalen.
In Sachsen finden sich die schönen weingelben Topase (früher Chrysolith genannt), die dem Oriente und Alterthume wohl fremd waren. In Brasilien sind rothe, grüne und wasserhelle Topase ziemlich häufig, die im gemeinen Leben oft als Rubin und Sapphir bezeichnet werden. In Siberien gewinnt man in jüngster Zeit viel Topas, besonders im Ural bey Miask, der meist wasserhell ist, und bey Mursinsk von meist bläulicher und grünlicher Farbe. Diesen siberischen Topas wird das Alterthum gekannt haben, verband ihn wahrscheinlich mit Smararagd oder Beryll, mit welchem letztern er häufig zusammen vorkommt; da hier aber keine gelben Topase vorkommen, so wird das Alterthum und der Orient schwerlich gelbe Edelsteine mit dem Namen Topas bezeichnet haben. In Jekatharinenburg in Siberien, wo viel siberische Topase geschliffen werden, nennt man diese—ich weiss nicht weshalb—tjeschelowes, tjejelowjesi, was heissen soll: die schwerwiegenden (von wjes das Gewicht und tjesolui schwer); als topazi aber bezeichnet man die farbigen Abänderungen des Bergkrystalles.
In der Sanscrit-Litteratur ist ein Name für den gelben Topas (der Mineralogen) gar nicht zu erwarten; wenn daher Wilson, Pott und Andere den Namen von gelben Edelsteinen, wie: pita, pitasara, pitaspatica, pitamane mit Topas übersetzen, so wird diess—mineralogisch genommen—unrichtig seyn; diese Edelsteine werden zum gelben Korund oder einer andern Mineralgattung gehören; dasselbe ist der Fall mit pitaçma und gomedaka im Bengalischen, mit manikang, kunig, puresjeragan im Malaiischen, pusperajan im Ceylonesischen u.s.w., die alle wohl irrthümlich mit Topas übersetzt werden.
tobadsch heisst im jetzigen Türkischen unser Topas, welches Wort aus den europäischen Sprachen entlehnt seyn mag, obwohl top und adsch türkische Sylben seyn können, was ich nicht weiss; auch soll man ihn sofja taschi und sirtcha (welches Wort persischen Ursprunges seyn soll) nennen, auch kibris elmasi (Diamant von Cypern) und kibris taschi (Stein von Cypern), die zum Bergkrystall gehören werden.
Das Wort topas, das aus Aegypten stammen mag (wo es unsern Flussspath bezeichnet haben mag), ist in alle europäischen Sprachen übergegangen; topas im Englischen, Schwedischen, Magyarischen; topaas im Holländischen; topazio im Spanischen und Italienischen; topass im Polnischen, Windischen, Czechischen.
B. Der topazion der Alten und der pitdan der Hebräer.
paz im Hebräischen wird mit topazion übersetzt. tuphasjon im Syrischen. παζον (wie paz im Hebräischen), τοπαζιον (wie tuphasjon) im Griechischen, topazius der Römer. Ueber diesen Stein haben wir durch griechische Schriftsteller verständige Nachrichten, sind nicht allein auf den kritiklosen Plinius angewiesen.