B. Der Labrador.

Ein dunkler, blättriger Feldspath, der nicht in ausgebildeten Krystallen, sondern in krystallinischen Massen vorkommt ausgezeichnet durch das herrlichste Spiel von lebhaften blauen, grünen, gelben und rothen Farben, das einzig dastehet, in ganz anderer Art als beym Opal. Er wird weniger zu Ringsteinen, als zu Prunkgefässen und grösseren Kunstwerken angewendet; diese haben das Eigenthümliche, dass, wenn sie auch zerbrechen, jedes Stückchen noch Werth hat, zu einem Ringsteine dienen kann. Der Labrador ist ein Product des Nordens, den man erst seit dem Jahre 1780 kennt; man erhielt ihn zuerst und am schönsten von der Insel St. Paul an der Küste Labrador (der nordöstlichsten des amerikanischen Festlandes) durch die dortigen Colonien der Herrnhuter, wo er in Stücken zu 50 Pfd. und mehr gefunden wird; später hat man diess Fossil, wenn auch weniger schön, in mehreren Gegenden gefunden, wie am Baikalsee, in Norwegen, Grönland, Ingermannland u.s.w. Werner stellte ihn gleich (1780) neben den Feldspath.

Griechische und römische Schriftsteller erwähnen Prunk-gefässe aus einem Steine μορρινη, μυρρινη, murro, murreria, murrhina, der—wie alle Edelsteine, auch aus Glas nachgebildet wurde—dessen Beschreibung, meiner Ansicht nach, ganz gut und nur allein auf den Labrador passt; als Fundort werden die asiatischen Gebirge in Parthien uad Karamanien angegeben, die wir noch sehr unvollkommen kennen. Möglich, dass sich hier Labrador findet; aber es ist auch möglich, dass man ihn aus dem äussersten Norden brachte, mit dem stets ein starker Verkehr Statt fand; man holte den Bernstein von der preussischen Küste, man kannte den schwedischen krystallisirten Magneteisenstein, man fuhr wahrscheinlich schon zur alt-keltischen Zeit nach Grönland, man kann auch Labrador gekannt haben.

Murrhina wurde den Römern erst durch Pompejus (61 v. Chr.) bekannt, der sie aus Asien mitbrachte, gehörte nach Ulpian nicht zu den Gemmen oder Schmucksteinen, diente vorzüglich zu Prunkgefässen, die in sehr hohem Preise standen, da Nero für ein Trinkgeschirr 300 Talente oder etwa 25,000 Thlr. bezahlte. Nur Plinius liefert, aber—wie immer—eine sehr confuse Beschreibung. Der Hauptcharakter lag in einem ausserordentlichen Farbenspiel von Purpur, Weiss, Feuerfarbe und Roth, die sich in einander verlaufen; am schönsten ist auf der Aussenfläche (extremitas) der Wiederschein der Farben (colorum repercussus), die wir im Regenbogen sehen. Die Stücke von zerbrochenen Gefässen hatten noch hohen Werth, dienten zum Prunk. Das murrhina hat man für Mancherley, besonders für Flussspath angesprochen (der wohl verschiedene Farben, aber kein Farbenspiel hat), auch für Kaschalong, für chinesischen Speckstein und Porzellan.

Der Name Labrador ist in viele Sprachen übergegangen, sonst nennt man denselben auch Feldspath opalin im Französischen; feldspato opalino im Italienischen; opascent feldspar, labrador stone im Englischen.

C. Der Amazonenstein.

Ist ein grüner, schillernder Feldspath, der zu Kunstwerken verarbeitet wird. Er kam zuerst vom Amazonenflusse in Süd-Amerika—woher der Name—wird aber häufig und von besonderer Schönheit in Siberien gefunden, von wo er schon in ältester Zeit nach dem Oriente und Griechenland gekommen seyn wird. Auf jeden Fall kannte und benutzte das Alterthum diesen Stein, denn rohe und verarbeitete Stücke davon, meist mit Hieroglyphen bedeckt, haben sich in Aegypten und bey Rom gefunden (s. Faustino Corsi: delle pietre antiche v.J. 1828). Welchen Namen er trug, wissen wir nicht, vielleicht begriff man ihn unter smaragdus prasius u.s.w.

pierre des Amazones im Französischen;—piedra delle Amazoni im Italienischen;—green feldspar im Englischen.

D. Gemeiner blättriger Feldspath.

Meist krystallisirt, ein sehr häufiges, verbreitetes Gemengtheil des Granites und ähnlicher Felsmassen. Er findet keine technische Anwendung, als zur Porzellanfabrikation, wozu er seit den ältesten Zeiten von den Chinesen unter dem Namen petun-se gebraucht wird. Er war dem Oriente und Alterthume gewiss bekannt, da der in Aegypten sehr verbreitete Granit und Syenit oft sehr grosse Feldspathkrystalle enthält; wir wissen aber nicht, unter welchen Namen. Unsere ältern Mineralogen nannten ihn spathum scintillans.