Der moderne Jude — als Denker — wird selten glauben, das heißt ahnend ergreifen können. Aller Gottesgedanke 123könnte nämlich, so fürchtet er, doch am Ende nur die feinste Blüte einer großen — Dummheit sein. Sich dem Hineinfall auf eine Dummheit aber auch nur auszusetzen, dünkt seiner mißtrauisch gewordenen Seele unerträglich. Er hat, wie Peer Gynt, nicht den Mut durch das Anonyme hindurch zu stürmen, er ist eben überall kein Krieger, er möchte gern um es herum. Aber man muß mitten in den Nebel hinein, das ist es. Und: Gott läßt sich (so wenig wie Goethe) — Brillen gefallen. Und: ohne ein gewisses Maß von Blindheit ward noch nie ein Seher.
1909
Damit, daß der Jude sich immer geistig überlegen dünkt, kommt er nie zu überlegener Geistigkeit.
Ich glaube nicht, daß ein andrer Mensch meiner Zeit so am Juden gelitten hat wie ich, und zugleich so viel von ihm hält. Dies mag mir ein Recht geben, an sein Problem zu rühren.
Oh, wenn erst die Leidenschaft für den Planeten als solche uns ergriffen haben wird, der große amor nostro, dann wird es auch keine Kriege mehr geben, dann werden ungleich gewaltigere Unternehmungen diese armseligen Kraftproben einer noch dunklen Periode überflüssig machen! Denn freilich: das bittere Zuchtmittel des Krieges durch philanthropische Mahnungen nur einfach abschaffen zu wollen, geht nicht an. Zuerst muß der Geist der Völker den neuen Aufgaben, den neuen, höheren Ambitionen gewachsen sein, zuerst muß ihn der Furor jener neuen Anstrengungen, Wagnisse 124und Opfer anfallen, ehe er den alten furor bellicus entlassen darf, ehe er von sich sagen darf: ich habe den Krieg wahrhaft — überwunden.
Napoleon war ein Naturereignis. Ihn einen großen Schlächter schmähen heißt nichts anderes, als ein Erdbeben groben Unfug schelten oder ein Gewitter öffentliche Ruhestörung.