126Was das Fazit der europäischen Rüstungen sein wird? Der möglichst vollkommene déluge après nous.
1911
Man mag in den Rüstungen eins nicht übersehen: Das Züchtungsmoment. Ist der Mensch zur Kultur noch nicht reif, so wird er hier wenigstens noch auf eine Spanne durchs Feuer der Disziplin geschickt. Preußens Mission z.B. ist gewißlich nicht nur die der Geschichtsbücher. Wer einmal ein echter Preuße gewesen, der — könnte jemand zu sagen versucht sein — wird so leicht nicht wieder verlottern, post mortem prussianam suam (in seinem späteren Erdenleben).
Wenn jemand gegen etwas vorgeht, so geht er nicht gegen das ganze Etwas vor: denn das sieht er dann gar nicht mehr. Sondern er sieht dann nur noch das ‚rote Tuch‘ in dem Etwas. Nie wird gegen ‚etwas‘ vorgegangen, immer nur gegen rotes Tuch. Und wenn zwei Völker gegen einander ziehen, so stürzt ein jedes bloß gegen rotes Tuch: denn wie könnte ein Volk wider ein andres Volk sein, wenn nicht die Helden vom roten Tuch wären, wenn nicht unaufhörlich von hüben und drüben auf rotes Tuch aufmerksam gemacht würde, so daß die Völker, die armen Stiere, zuletzt wild werden und einander anrennen.
1912
Man wirft dem Schriftsteller wieder einmal vor, daß er sich zu wenig mit Politik beschäftige. Er soll Partei nehmen; und wer da nicht ‚wählt‘, wird leicht Verräter gescholten. Aber wie? Wählt er wirklich 127nicht, ergreift er wirklich keine Partei? Bilden die Stillen im Lande keine Partei, und ist es ihre Schuld, daß die höchsten Geister, die sie als Führer verehren und wählen, im Land- und Reichstage sich nicht einordnen lassen, weil sie im Parlament der Menschheit sitzen?
Man kann an Völkern und Vaterländern auf mancherlei Weise bauen, es gibt nicht bloß die Schöpf- und Schöpferkelle der Wahlurne.