Der Denker, der dir kein Grauen erregt, ihn magst du zu Tisch einladen.
Jedesmal wieder, wenn man so recht in die ‚Welt‘ hineindenkt, kommen einem alle menschlichen Gedanken darüber vor wie Kinderstammeln, was sage ich, wie Bewegungen von Insekten, die von der Spitze ihres Grashalms in die Luft hinaustasten. Und das gilt nicht nur von gewöhnlichen Gedanken, das gilt ebenso von den tiefsten Gedanken unserer fähigsten Köpfe. Nur daß wir durch unsere Sinne die Welt so vereinfacht — besser vielleicht von einem Unendlichfachen auf ein Fünffaches gebracht — haben, ermöglicht uns, in ihr mit so festen Schritten zu wandeln; nur daß wir meinen, 204‚die Welt‘ in Wahrheit vor uns zu haben, wie ein gewaltiges Gemälde, das — wenn auch nur im Großen — so sei, wie wir es sehen, ermöglicht den ganzen Schatz menschlich-bürgerlichen Hochgefühls, die Freudigkeit des Tatmenschen, den tragischen Stolz des Philosophen, die königlichen Empfindungen des Künstlers. Unsere Armut ist es, die uns reich macht, unsere Beschränktheit, der wir das Gefühl unbeschränkter Entwickelungsfähigkeit verdanken. Aber umsonst. Irgend einmal und dann immer wieder wird — wenn auch nur blitzartig — die Armut als Armut, die Beschränktheit als Beschränktheit erkannt, die großartige Illusion zerreißt und die Geschichte der Erde und seines Bewohners entpuppt sich in der Riesensaison des ‚Universums‘ als — bürgerliches Schauspiel, eines unter unzähligen, Verfasser unbekannt, Wert indifferent.
Das Urbuch der Welt wird mit sympathetischer Tinte geschrieben.
Nur im vorbereiteten Herzen kann ein neuer Gedanke Wurzel fassen und groß werden. Sich vorbereiten, sich zubereiten, den Acker lockern für das beste Korn, ist alles.
Es gibt kein größeres Hindernis, zur Wahrheit zu gelangen, als — schreiben zu können. Vergiß deinen Stil, vergiß allen Stil, überlaß dich ganz dem Rhythmus der inneren Stimme, überlaß alle ‚Kunst‘ denen, die mehr Künstler sind als Wahrheitssucher.