Wer sich einmal in die Idee des Teufels, an dem Gott immer wieder zu schanden wird, von dem er immer wieder zum Leben verführt wird, vertieft, dem wird die Größe und Schönheit des Lebens fürder nicht Einwand sein können: Denn je unfaßlicher dieser Gott ist, desto unfaßlicher wird auch die Kunst seines Teufels sein müssen, desto heiliger wird sie erscheinen müssen, desto bejahungswürdiger die Welt für menschliche Urteilskraft.
‚Die Welt‘ ist Gottes Weg zu seiner Schönheit. Überall und immer duftet diese Wunderpflanze ‚Welt‘. Um dieses Duftes willen ist sie da; er ist ihre Schönheit, ihre ‚Seele‘, ‚Gottes‘ — Seele.
Wir sind nie wirklich aus dem Paradiese vertrieben worden. Wir leben und weben mitten im Paradiese 258wie je, wir sind selbst Paradies, — nur seiner unbewußt, und damit mitten im — Inferno.
‚Alles was ist, ist vernünftig‘ — ganz gewiß. Freilich nicht vom Standpunkt des Reichstagsabgeordneten X oder des Privatdozenten Y aus; aber sub specie Dei.
1908
Im Geist erst wird die Natur, wird Gott tragisch. Was ist der Mensch? Die Tragödie Gottes.