Man findet bei manchem Ernsthaften unserer Tage gegen gewisse Worte wie sittlich, vollkommen, edel, die Animosität dessen, dem sie irgend einmal gründlich verleidet worden sind. Das sollte nicht sein. Königliche Begriffe können nie von ihrem Glanze verlieren. Wenn es aber doch zuweilen so scheint, wen trifft die Schuld? Die Masse, die sich ihrer bemächtigt hat, oder die Paladine, welche ihnen nicht genug treue Diener, Berater und Leiter gewesen sind?
110In einer nicht ganz natürlichen Redeweise liegt eine Gefahr für den Sprecher wie für den Hörer. Das gilt vom persönlichsten Verkehr wie von dem mit der Öffentlichkeit. So gibt es z.B. Menschen, welche immer ein wenig ironisieren. Sie nennen alles nicht so sehr beim Namen, als vielmehr bei irgend einem Spitz- oder Übernamen. Damit wirken sie kurzweilig, öfter aber demoralisieren sie, und ob auch nur um einen Schatten, sich wie den andern.
1913
Alles Schwätzen hat zur Grundlage die Unwissenheit um Sinn und Wert des einzelnen Wortes. Für den Schwätzer ist die Sprache etwas Verschwommenes. Aber sie gibt's ihm genugsam zurück: dem ‚Verschwommenen‘, dem ‚Schwimmer‘.
111Politisches Soziales
1895
Man will die deutsche Volksseele erstarken sehen, indem sie sich mehr abschließen und begrenzen soll, und vergißt, daß gerade das Unbegrenztseinwollen, das über engen Nationalitätsschranken stehen wollen ihre Haupteigentümlichkeit ist.
Man muß eine Operette wie den ‚Rastelbinder‘ von Lehar hören, und zwar in einem jubelnden Theater, — um alle ‚modernen Ideen‘ als Sentimentalität zu verwerfen. Nach einem solchen Abend könnte man sogar zu einer neuen Inquisition ja sagen.