Unsere Art zu richten und zu strafen erscheint mir immer kindlicher. Ein einziger wirklicher Mensch 114würde das alles über den Haufen werfen. Wieviel ließe sich da individualisieren!


Es müßte Anekdotenerzähler geben, die durch die Krankenhäuser gingen. Eine gute Anekdote ist ein wahres Lebenselixier. Ich glaube, ein Sterbender müßte noch lächeln, wenn er von dem französischen Landedelmann hörte, der sich nicht genug wundern konnte, als er erfuhr, daß er sein Leben lang Prosa gesprochen hätte.


Augenblicklich gibt es nur einen Feind des europäischen Friedens: England. Mit ihm ist nicht zu paktieren; darum muß es isoliert werden.


Eine der schönsten und symptomatischesten russischen Sitten ist die Anrede beim Vornamen. Eine ganze Welt von Zopfigkeit liegt in unserem Herr, Fräulein, gnädige Frau.


Der Russe hat mehr die Liebe zum Leben, wie es ist, der Deutsche (auch Ibsen, der ja aber deutsch) mehr die zum Leben, wie es sein sollte, könnte, müßte. Der ganze russische Idealismus liegt in dieser ergreifenden Versenkung ins Nächste, der ganze deutsche in diesem unausrottbaren Trachten über den ‚Tag‘ und sein Leben hinaus. Ich möchte sagen, der Drang ist hier wie dort derselbe, nur die Richtung ist verschieden.