Ob ich nun wohl, wie mein Bein völlig wieder kuriert war, mich wollte zu Schiffe wieder setzen und die Welt weiter besehen, so ließ ich mich doch auf der Charmante ihr Bitten überreden, daß ich ein halb Jahr noch in Stockholm blieb und ihr dieses und jenes zeigte. Nun ist eben nichts Sonderliches da zu sehen, als daß Stockholm eine brave Stadt ist, sehr lustig liegt und um dieselbe herum schöne Gärten, Wiesen und vortreffliche Weinberge angebaut sein, und daß, der Tebel hol mer, der schönste Neckarwein da wächst. Allein von Fischwerk und solchen Sachen gibts eben so wenig als in Hamburg. Forellen hat man zwar genug auch da, allein, wer kann einerlei Fische immer essen; aber unerhörte Viehzucht gibts da wegen der Gräserei: es gibt, der Tebel hol mer, Kühe dort, da eine wohl auf einmal vierzig bis fünfzig Kannen Milch gibt. Sie machen im Winter auch flugs Butter, die sieht, der Tebel hol mer, wie das schönste gewundene Wachs aus.

Nachdem ich meine Charmante nun überall herumgeführt und ihr dieses und jenes in Stockholm gezeigt, machte ich mich mit ihr benebst dem Herrn Bruder Grafen wieder reisefertig, bezahlte, was ich da bei dem Lustgärtner verzehrt hatte, und dingten uns auf ein Schiff, welches uns mit sollte nach Holland nehmen. Wie wir nun mit dem Schiffe richtig waren, packte der Herr Graf seinen Schellenschlitten mit seinem Pferde auch auf das Schiff, daß er, wenn er zu Lande käme, wieder kutschen könnte. Als es bald Zeit war, daß das Schiff fortsegeln wollte, nahmen wir von dem Lustgärtner Abschied und bedankten uns nochmals vor allen guten erzeigten Willen. Da fing, der Tebel hol mer, der Mann an zu weinen wie ein klein Kind, so jammerte ihn unser Abschied. Er beschenkte mich auch zuguterletzt mit einer wunderschönen Blume, ob dieselbe gleich kohlpechschwarze Blätter hatte, so kunnte man sie doch, der Tebel hol mer, auf eine ganze Meile Wegs riechen. Er nannte sie nur Viola Kohlrabi, dieselbe Viola Kohlrabi nahm ich nun auch mit. Damit marschierten wir nun fort und nach dem Schiffe zu. Als wir nun dahin kamen, Sapperment! was sah man da vor Volk, welches mit nach Holland gehen wollte, es waren, der Tebel hol mer, wohl an sechstausend Seelen, die setzten sich nun alle auch mit zu Schiffe und waren Willens, Holland zu besehen. Wie es uns aber dasselbe Mal auf der See erbärmlich ging, werden einem die Haare zu Berge stehen, wer folgendes Kapitel lesen wird.

[27] Mittwoch nach Pfingsten.

[28] aufs geratewohl.

[29] schnell.

4. Kapitel.

Als wir von Stockholm abfuhren, war es gleich um selbe Zeit, da die Kirschen und Weintrauben sich anfingen zu färben. Sapperment! was war da vor ein Gekribbele und Gewibbele auf dem Schiffe von soviel Leuten. Ich und meine Liebste Charmante wie auch der Herr Bruder Graf, weil der Schiffsmann sah, daß wir Standespersonen waren, hatten ein eigenes Zimmer auf dem Schiffe zu unserer Bequemlichkeit inne. Die andern Sechstausend aber mußten, der Tebel hol mer, alle nach der Reihe auf einer Streu schlafen. Wir schifften etliche Wochen sehr glücklich fort und waren alle brav lustig auf dem Schiffe, als wir aber an die Insel Bornholm kamen, wo es so viel Klippen gibt, und wenn ein Schiffsmann die Wege da nicht weiß, gar leichtlich umwerfen kann, ei Sapperment! was erhub sich im Augenblick vor ein großer Sturm und Ungestüm auf der See; der Wind schmiß, der Tebel hol mer, die Wellen die höchsten Türme hoch über das Schiff weg und fing an kohlpechrabenstockfinster zu werden. Zu dem allergrößten Unglücke noch hatte er zu Stockholm im Wirtshause den Kompaß auf dem Tische stehen lassen und vergessen, daß er also ganz nicht wußte, wo er war und wo er zufahren sollte. Das Wüten und Toben von dem grausamen Ungestüm währte vierzehn ganzer Tage und Nacht, den fünfzehnten Tag, als wir vermeinten, es würde ein wenig stille werden, so erhub sich wieder ein Wetter und schmiß der Wind unser Schiff an eine Klippe, daß es, der Tebel hol mer, in hunderttausend Stücke sprang. Sapperment! was war da vor ein Zustand auf der See! Es ging Schiff, Schiffsmann und alles, was nur zuvor auf dem Schiffe war, in einem Augenblick zugrunde, und wenn ich und mein Herr Bruder Graf nicht so geschwinde ein Brett ergriffen hätten, worauf wir uns flugs legten, daß wir zu schwimmen kamen, so wäre kein ander Mittel gewesen, wir hätten gleichfalls mit den sechstausend Seelen müssen vor die Hunde gehen. O sapperment! was war da von den Leuten ein Gelamentiere in dem Wasser! nichts mehr dauert mich noch die Stunde, als nur meine allerliebste Charmante, wenn ich an dasselbe Mensche gedenke, gehen mir, der Tebel hol mer, die jetzige Stunde die Augen noch über. Denn ich hörte sie wohl zehnmal noch im Wasser »Anmutiger Jüngling« rufen; allein was kunnte ich ihr helfen, ich hatte, der Tebel hol mer, selbsten zu tun, daß ich nicht von dem Brette herunterkippte, geschweige daß ich ihr hätte helfen sollen. Es war immer und ewig schade um dasselbe Mensche, daß es da so unverhofft ihr Leben mit in die Schanze schlagen mußte. Es kunnte sich auch, der Tebel hol mer, nicht eine einzige Seele retten als ich und der Herr Graf auf dem Brette.

Als ich und mein Herr Bruder Graf diesem Trauerspiele auf unserm Brette in der Ferne nun so eine Weile zugeschaut, plätscherten wir mit unsern Händen auf demselben fort und mußten wohl über hundert Meilen schwimmen, ehe wir wieder an Land kamen. Nach Verfließung dreier Tage bekamen wir die Spitzen und Türme von Amsterdam zu sehen, worauf wir gleich zu marschierten und den vierten Tag früh um zehn Uhr hinter des Bürgermeisters Garten mit unserm Brette nach viel ausgestandener Gefährlichkeit allda anlandeten. Damit gingen wir durch des Bürgermeisters Garten durch und immer nach desselben Hause zu. Der Herr Bruder Graf, der mußte nun das Brett tragen und ich ging voran. Wie wir nun die Gartentüre aufklinkten, welche in des Bürgermeisters Hof ging, so stund der Bürgermeister gleich in der Haustüre und sah uns da angemarschiert kommen. Mit was vor Verwunderung uns auch der Mann ansah, will ich wohl keinem Menschen sagen, denn wir sahen wie die gebadeten Mäuse so naß aus; dem Herrn Grafen lief das Wasser immer noch von seinen samtnen Hosen herunter, als wenn einer mit Mulden gösse. Ich erzählte dem Herrn Bürgermeister aber flugs mit zwei, drei Worten ganz artig, wie daß wir Schiffbruch gelitten und auf dem Brette so weit schwimmen müssen, ehe wir an Land gekommen. Der Herr Bürgermeister, welcher, der Tebel hol mer, ein wackerer, braver Mann war, der hatte groß Mitleiden mit uns, er führte uns in seine Stube, hieß warm einheizen, damit mußten ich und mein Herr Bruder Graf in die Hölle hinterm Ofen treten und uns wieder trocknen. Sobald uns nun ein wenig der warme Ofen zu passe kommen war, fing der Herr Bürgermeister an und fragte, wer wir wären. Ich fing hierauf gleich an und erzählte demselben ganz artig meine Geburt und wie es mit der Ratte damals wäre zugegangen. O sapperment! was sperrte der Mann vor ein Paar Augen auf, als ich ihm von der Ratte solche Dinge erzählte, er nahm hernach allemal auch, wenn er mit mir redete, sein Mützchen unter den Arm und titulierte mich Ihre sehr Hochwohlgeborne Herrlichkeiten.

Alsobald ließ er den Tisch decken und traktierte mich und den Herrn Grafen, der Tebel hol mer, recht delikat. Sobald als wir nun gespeist hatten, kamen etliche von den vornehmsten Staaten in des Bürgermeisters Haus und gaben mir und meinem Herrn Bruder Grafen eine Visite. Sie baten uns auch zu sich zu Gaste und erwiesen uns große Ehre, daß ich also wohl sagen kann, daß Amsterdam, der Tebel hol mer, eine vortreffliche Stadt ist. Es wurde zu derselben Zeit bald eine vornehme Hochzeit, wozu man mich und meinen Herrn Bruder Grafen auch invitierte. Denn es heiratete ein Lord aus London in England eines vornehmen Staatens Tochter zu Amsterdam, und wie es nun da gebräuchlich ist, daß die vornehmen Standespersonen, welche zur Hochzeit gebeten werden, allemal Braut und Bräutigam zu Ehren ein Hochzeitskarmen drucken lassen und sie damit beehren, so wollte ich hierinnen mich auch sehen lassen, daß ich ein brav Kerl wäre. Es war gleich um selbe Zeit bald Gertraute[30], daß der Klapperstorch bald wiederkommen sollte, und weil die Braut Traute hieß, so wollte ich meine Invention[31] von dem Klapperstorche nehmen, und der Titel sollte heißen: Der fröhliche Klapperstorch. Ich war her und setzte mich drüber und saß wohl über vier Stunden: daß mir doch wäre eine Zeile beigefallen? Der Tebel hol mer, nicht ein Wort konnte ich zuwege bringen, das sich zu dem fröhlichen Klapperstorche geschickt hätte; ich bat meinen Herrn Bruder Grafen, er sollte es versuchen, ob er was könnte zur Not herbringen, weil mir nichts beifallen wollte. Der Herr Graf sagte nun, wie er vor diesem wäre in die Schule gegangen, so hätte er ein bischen reimen lernen, ob ers aber würde noch können, wüßte er nicht, doch müßte ers versuchen, obs angehn wollte. Hierauf setzte sich der Graf nun hin, nahm Feder und Tinte und fing da an zu dichten. Was er damals nun aufschmierte, waren folgende Zeilen:

Die Lerche hat sich schon in Lüften präsentieret,
Und Mutter Flora steigt allmählich aus dem Neste;
Schläft gleich die Maja noch in ihrem Zimmer feste;
Daß also jetzger Zeit viel Lust nicht wird gespüret.
Dennoch so will ...