§. 41. Das Schminken ist eine Kunst, vermöge gewisser Mittel die Farbe der Haut zu ändern, selbige schön zu machen, und solche schön zu erhalten. Die Farbe der Haut wird entweder durch blaßmachende, oder rothmachende Mittel verändert. Dasjenige Mittel nun, welches geschickt ist, der Haut ein rothes Ansehen zu geben, und welches heut zu Tage gewöhnlich gebraucht wird, heißt Rosentuch, vielleicht weil dieses Tuch der Farbe einer rothen Sammetrose ziemlich nahe kömmt. Dieses eigentlich sogenannte Rosentuch ist nichts anders, als etwas starke rothgefärbte Leinwand, welche ihre rothe Farbe, entweder von der Koccionille, Kermeskörnern, oder auch von Fernebocke, dem durch eine besondere Kunst so eine hochrothe rosengleiche Farbe gegeben worden ist, bekommen hat. Mit dieser rothgefärbten Leinwand färben die Frauenzimmer ihre Wangen, und mahlen sich das Angesicht damit roth: doch muß dieses Rosentuch vorher in Lindenblüthwasser eingetaucht und feuchte gemacht werden, denn außerdem färbet das Rosentuch nicht ab. Einige nehmen guten florentinischen Lack, streichen solchen auf ein Stückchen Scharlachtuch und reiben die Haut des Angesichts damit. Besser aber thut man, wenn man kermesinrothes türkisches wöllnes Garn nimmt, selbiges sehr klein hacket, durch ein Haarsieb siebet, und in ein sehr zartes Pulver verwandelt, hernach aber auf ein Stückchen Scharlachtuch streuet, und die Backen damit reibet. Dieses Mittel ist fähig genug, ein recht unvergleichlich schönes und rothes Gesichte zuwege zu bringen. Andere bemahlen sich mit Karmin, und wiederum andere bemühen sich, die Farbe ihrer Wangen und Lippen mit Zinnober zu erhöhen.

§. 42. Nunmehr will ich endlich den Schaden anzeigen, den sich diejenigen Frauenspersonen zuziehen, welche so närrisch sind, ihr Angesicht roth zu färben. Ich habe nur itzo im [41sten] Absatze gesagt, daß das Angesichte mit denen Läppchen stark gerieben werden müsse, wenn daß Angesicht roth geschminket werden soll. Da aber durch das starke Reiben die Haut des Angesichts sehr gereizt, angespannt, und dichte gemacht wird, und allemal auf eine starke Anspannung eine der angespannten Haut gemäße Erschlaffung zu erfolgen pflegt; so wird man, wenn man anders Verstand hat, sehr deutlich einsehen können, daß eine solche geschminkte Schönheit vor den Jahren alt werden und Runzeln bekommen müsse. Aber dieses ist noch lange nicht der Lohn, welchen solche Theaterpüppchen vor ihre Schminke empfangen: Auch außer den Runzeln bekommen sie eine gelbe, garstige und grobe Haut, so, daß sie zu einem wahren Scheusal der Männer, und zu einem wirksamen Gegenmittel wider das aufsteigende Fleisch werden. Es werden auch die Schweißlöcher der Haut des Angesichts von dieser rothen Schminke zugeklebt und verstopft, folglich wird die so heilsame Ausdünstung verhindert werden müssen, und also werden alle diejenigen Umstände entspringen, welche von der unmerklichen Ausdämpfung des Angesichts natürlicher Weise zu entstehen pflegen s. [§. 38.] [32.] [28.] [17.] [12.] und [5.] Da nun, wie ich nur itzo erweislich gemacht habe, eine geschminkte Haut nicht so, wie es sich geziemt, ausdünstet; so müssen freylich daher im Angesichte Finnen, Schwindflechten, und Sonnensprossen entstehen. Diejenigen Frauenspersonen, welche sich diese Thorheit haben einnehmen lassen, ihre Wangen und Lippen mit Zinnober zu färben, bekommen gemeiniglich den Krebs an dem Munde, und faules Zahnfleisch, wackelnde Zähne, einen stinkenden Athem und triefende Augen. Denn das im Zinnober versteckte Quecksilber dringt in die Thränendrüse so wohl, als in diejenigen Drüsen, welche von D. Meibomen den Namen bekommen haben, und erweitert deren Gänge, so, daß solche hernach ihre Narrheit, und den Verlust ihrer Gesundheit mit einem beschwerlichen Schwären der Augenlieder, und beständigen Thränen der Augen ohne Aufhören beweinen müssen [(*)]. Schöner Lohn für eure rothe Schminke!

§. 43. Wenn die Frauenspersonen, welche Belieben an einem rothen Angesichte tragen, und gerne roth auszusehen wünschen, meinem Rathe folgen wollten, so würden sie vernünftiger handeln, zumal, wenn sie sich lieber mit innern Mitteln von einem verständigen Arzte eine lebhafte rothe Farbe des Angesichts zuwege bringen ließen, und sich nicht selbst und ihrem Körper durch solche schädliche äußerliche Hülfsmittel so viel Unheil und Häßlichkeit zufügten und ungesund machten, nicht ihren Nebenmenschen, über sie zu spotten, und sich zu ärgern Gelegenheit gäben, nicht ihren Schöpfer zum Zorne reizten, und sich seiner Gnade verlustig machten. Ein geschminktes Angesicht soll darum das Angesicht GOttes nicht schauen, weil es durch die Schminke andre gereizt und entzündet, und ihnen Anlaß zu sündigen gegeben hat.

[(*)] Platner de morbis ex immunditie. §. 16.

Das dritte Kapitel.

Von den
üblen Zufällen, welche von der blaßmachenden
Schminke des Angesichts herkommen.

§. 44.