Pär (Pair) des Reichs, I. 48. Es bedarf wohl kaum erinnert zu werden, daß unser Dichter auch hier, da sein Held sich (als Herzog von Guyenne oder Aquitanien) einen Pär des Reichs nennt, in der 49sten Stanze von Fürsten des Kaiserreichs spricht, und in dieser Qualität das Recht seinen Ankläger zum Zweykampf heraus zu fordern geltend macht, nicht der Geschichte, sondern den Ritterromanen von Charlemagne folgt, welche wahrscheinlich erst im XII. und XIII. Jahrhundert ausgeheckt wurden. Der unbekannte Mönch, der seinen aus den abenteuerlichsten Erdichtungen zusammen gestoppelten Roman "de Gestis Caroli M. et Rolandi", um ihm das Ansehen einer wahren Geschichte zu geben, dem Erzbischof Tilpin von Rheims (den er Turpin nennt) unterschob, hatte so wenig Kenntniß und Begriff von Karl dem Großen und seiner Regierung, daß er nicht nur die Gebräuche, Sitten und Lebensweise der so genannten Ritterzeiten, sondern sogar die ganze Verfassung von Frankreich, wie er sie unter Ludwig VII. und Filipp August (unter deren Regierung er lebte) fand, in die Zeit jenes großen Königs der Franken hinüber trägt. Daher denn auch die vorgeblichen zwölf Pärs desselben, die in diesen Romanen als die zwölf großen erblichen Kronvasallen erscheinen, da man doch damahls eben so wenig von Erb-Kronvasallen als von bestimmten Vorzügen und Vorrechten einiger derselben vor allen übrigen wußte, indem alle vom König unmittelbar belehnte Baronen eben darum, weil sie alle einander gleich waren, Pares Franciae hießen, und, in so fern ein jeder nur von seines gleichen gerichtet werden konnte, den Hof der Pärs, la Cour des Pairs, ausmachten. Von wem und zu welcher Zeit die ehemahls ungeheure Menge der Baronen oder Pärs von Frankreich auf zwölf (sechs geistliche und sechs weltliche*) eingeschränkt worden, ist eine eben so problematische oder vielmehr unauflösbare Frage in der Französischen Geschichte, als der Ursprung der Kurfürsten in der Deutschen: aber so viel ist gewiß, daß von diesen zwölf Pärs erst unter Ludewig VII. Erwähnung geschieht. S. "Les Moeurs et Coutumes dans les differens tems de la Monarchie Franç. au Tome VI. de l'Hist. de France de le Gendre".
Recke, III. 47. Ein veraltetes Wort für Riese. Es wurde ehemahls auch von andern tapfern und streitbaren Männern gebraucht, und die alten Sueven werden in dieser Bedeutung in dem Lobgesang auf den Heiligen Anno St. 19. gute Reckin genannt. In den alten Isländischen Mythen heißen ihre Heerführer oder Landeshauptleute (Könige) Landrecken.
Rennen, I. 35. "Bey einem offnen Rennen," d. i. in einem Turnier; ein in dem alten "Amadis aus Gallien" und ähnlichen Werken häufig vorkommendes Wort. Noch gewöhnlicher hieß es ein Stechen, Stechspiel, Ritterstechen; daher Stechhelm, ein Turnierhelm, der das ganze Gesicht bedeckte und nur zum Sehen und Athmen Öffnungen hatte,—Stechpferd, ein starkes zum Turnieren abgerichtetes Pferd, Stechbahn, Stechzeug, u.s.w. ein scharfer Stecher, III. 12. Reiten wurde ebenfalls als ein Synonym von turnieren, oder eine Lanze mit einander brechen, gebraucht; daher ein Ritt, III. 10. Für Turnier wurde damahls auch Turney gesagt: II. 19, im Feld und im Turney.
Schimpf, I. 26. "In Schimpf und Ernst," d. i. in Ritterspielen und in gefährlichen Abenteuern, wo Leib und Leben gewagt wurde.—Schimpf wird hier in der veralteten Bedeutung von Spiel und Scherz gebraucht. Noch im 15ten Jahrhundert waren scherzen und schimpfen gleichbedeutend. So heißt es zum Beyspiel (nach Adelungs Zeugniß) in einer zu Straßburg 1466 gedruckten Deutschen Bibel: "Abimelech sah in (ihn, den Isaak) schimpfen mit Rebekka seiner Hausfrauen."—Es wird aus Schimpf noch Ernst werden, ist eine Redensart, die noch itzt in Oberdeutschland zuweilen gehört wird.
Stange, für Speer oder Lanze, V. 65, kommt in dieser Bedeutung noch in
Luthers Bibelübersetzung vor, Matth. 26,47.
Stapfen, einher stapfen, VI. 42, ein veraltetes aber mahlerisches Wort, für stark und fest auftreten.
Sultanin, IX. 5, (Sequin) eine Türkische Goldmünze, deren Werth hier, wo es auf eine sehr genaue Bestimmung nicht ankommt, etwa einem Goldgülden oder halben Maxd'or gleich angenommen werden kann.
Unangemuthet, III. 39, d.i. ohne eine Anmuthung zu dieser Person zu spüren, ohne daß sein Herz ihm etwas für sie sagt, ohne daß sie ihn interessiert. Muth (Mod, Mûat, Mûoth) hieß bey den alten Angelsachsen, Franken und Allemannen animus bene vel male adfectus, das Gemüth, oder was wir figürlich das Herz nennen, und Muthen war so viel als das Gemüth in Bewegung setzen, anziehen. Daher Anmuth, was unser Herz anspricht, anzieht. Das Zeitwort anmuthen scheint also vorzüglich dazu geschickt zu seyn, wenigstens in vielen Fällen die Stelle des fremden und unsern Puristen anstößigen interessieren zu ersetzen; zumahl wenn unsre Schriftsteller sich entschlössen, dieses Wort in dem Sinne, worin es ansinnen oder zumuthen (d. i. verlangen daß ein anderer über eine gewisse Sache eben so gemuthet sey wie wir) heißt, nie wieder zu gebrachten. Von etwas angemuthet oder unangemuthet seyn oder werden, wäre diesem nach so viel als davon interessiert oder nicht interessiert werden: und in diesem Sinne scheint unser Dichter das von ihm vermuthlich zuerst gebrauchte Wort unangemuthet genommen zu haben.
Ventregris, II. 20. Ein nur in Scherasmins Munde duldbarer, wiewohl ehemahls dem König Heinrich IV. von Frankreich sehr geläufiger, Gaskonnischer Schwur, statt Ventre-Saint-Gris.
Verdrieß, I. 41. Die alte Form des Wortes Verdruß, welche hier mit gutem
Bedacht der gewöhnlichen vorgezogen worden ist.