An Se. Durchlaucht den Prinzen
August von Sachsen-Gotha und Altenburg.

Der Grazien schönste weyhet, am Altar der Freundschaft, Bester Prinz, Dir diese Blumen, gepflegt von einer Muse die Du liebst. Sie blühten unter Deinen Blicken auf, und Du ergöztest Dich an ihrem Duft. Bescheiden ist ihr Glanz; allein mir sagt's ein Genius, sie werden nie verblühen: und wenn dereinst nichts übrig ist von mir als sie—und auch von Dir, o Du Geliebter, nichts übrig ist, als Deiner schönen Seele und aller Deiner holden Tugenden Erinnerung: dann werden noch die Musen, stilltraurend—denn wer liebte sie wie Du?— die unverwelklichen um Deine Urne winden.

Erster Gesang.

1
Noch einmahl sattelt mir den Hippogryfen, ihr Musen,
Zum Ritt ins alte romantische Land!
Wie lieblich um meinen entfesselten Busen
Der holde Wahnsinn spielt! Wer schlang das magische Band
Um meine Stirne? Wer treibt von meinen Augen den Nebel
Der auf der Vorwelt Wundern liegt?
Ich seh', in buntem Gewühl, bald siegend, bald besiegt,
Des Ritters gutes Schwert, der Heiden blinkende Säbel.

2
Vergebens knirscht des alten Sultans Zorn,
Vergebens dräut ein Wald von starren Lanzen:
Es tönt in lieblichem Ton das elfenbeinerne Horn,
Und, wie ein Wirbel, ergreift sie alle die Wuth zu tanzen;
Sie drehen im Kreise sich um bis Sinn und Athem entgeht.
Triumf, Herr Ritter, Triumf! Gewonnen ist die Schöne.
Was säumt ihr? Fort! der Wimpel weht;
Nach Rom, daß euern Bund der heil'ge Vater kröne!

3
Nur daß der süßen verbotenen Frucht
Euch ja nicht vor der Zeit gelüste!
Geduld! der freundlichste Wind begünstigt eure Flucht,
Zwey Tage noch, so winkt Hesperiens goldne Küste.
O rette, rette sie, getreuer Scherasmin,
Wenn's möglich ist!—Umsonst! die trunknen Seelen hören
Sogar den Donner nicht. Unglückliche, wohin
Bringt euch ein Augenblick! Kann Liebe so bethören?

4
In welches Meer von Jammer stürzt sie euch!
Wer wird den Zorn des kleinen Halbgotts schmelzen?
Ach! wie sie Arm in Arm sich auf den Wogen wälzen!
Noch glücklich durch den Trost, zum wenigsten zugleich
Eins an des andern Brust zu sinken ins Verderben.
Ach! hofft es nicht! Zu sehr auf euch erbost
Versagt euch Oberon sogar den letzten Trost,
Den armen letzten Trost des Leidenden, zu sterben!

5
Zu strengern Qualen aufgespart
Seh' ich sie hülflos, nackt, am öden Ufer irren:
Ihr Lager eine Kluft, mit einer Hand voll dürren
Halb faulem Schilf bestreut; und Beeren wilder Art,
Die kärglich hier und dort an kahlen Hecken schmoren,
All' ihre Kost! In dieser dringenden Noth
Kein Hüttenrauch von fern, kein hülfewinkend Boot,
Glück, Zufall und Natur zu ihrem Fall verschworen!

6
Und noch ist nicht des Rächers Zorn erweicht,
Noch hat ihr Elend nicht die höchste Stuf' erreicht;
Es nährt nur ihre strafbar'n Flammen,
Sie leiden zwar, doch leiden sie beisammen.
Getrennt zu seyn, so wie in Donner und Blitz
Der wilde Sturm zwey Bruderschiffe trennet,
Und ausgelöscht, wenn im geheimsten Sitz
Der Hoffnung noch ein schwaches Flämmchen brennet:

7
Dieß fehlte noch!—O du, ihr Genius einst, ihr Freund!
Verdient, was Liebe gefehlt, die Rache sonder Grenzen?
Weh euch! Noch seh' ich Thränen in seinen Augen glänzen;
Erwartet das ärgste wenn Oberon weint!—
Doch, Muse, wohin reißt dich die Adlersschwinge
Der hohen trunknen Schwärmerey?
Dein Hörer steht bestürzt, er fragt sich was dir sey,
Und deine Gesichte sind ihm geheimnisvolle Dinge.