Je und ie, III. 57. Die alte und noch immer übliche Oberdeutsche Form der Partikel je ist ie, welches beynahe wie i ausgesprochen wird. So kommt sie bey den Minnesängern immer vor, und die Richtigkeit dieser Form und Aussprache wird auch durch das offenbar aus den alten Verneinungswörtchen ni und ie zusammen gesetzte nie bestätigst. Weil man einem Deutschen Dichter das Reimen nicht ohne Noth erschweren sollte, indem unsre Sprache ohnehin arm genug an Reimen ist, so halten wir für billig, daß man reimenden Dichtern erlaube, sich der Wörter je, jeder, und jetzt sowohl in dieser neuern, als in der Altdeutschen Form, ie, ieder, und itzt, nach Gefallen zu bedienen. Ohne diese Freyheit hätte hier eine der besten Stanzen des ganzen Oberons entweder gänzlich kassiert, oder ins schlechtere verändert werden müssen.

Jungfernzwinger, II. 32. Ein (vermuthlich) von unserm Dichter gestempeltes
Wort für Jungfernkloster. Daß sich dazu keine andre Analogie fand als das
Jägerwort Hundezwinger, wird ihm hoffentlich zu keinem Vorwurf gereichen.

Klosterbühl, II. 33. Bühel, Bühl, (in den härtesten Mundarten Büchel) ist ein gutes altes Wort für Hügel. Die Reichsstadt Dinkelsbühl hat ihren Nahmen von Dinkel (einer Getreideart, die vermuthlich in ihrer Gegend vorzüglich geräth) und von einem dreyfachen Bühl, d. i. Hügel, worauf sie erbaut ist.

Knappen, III. 2, so viel als Schildknappen, Waffenträger, Knapo im mittlern Latein. Es war vor Alters mit Knecht oder Edelknecht (Englisch Knight) einerley, und wurde auch von einem jungen Edelmann gebraucht, welcher einem ältern Ritter, entweder als Lehrjunge, um die Ritterschaft zu erlernen, oder als Geselle, um sie unter Anleitung und Aufsicht eines Meisters auszuüben, Dienste that. Nach und nach verlor es, wie Knecht und Schalk, seine vormahlige Bedeutung und Würde, und ist dermahlen nur noch in den Benennungen Tuchknappe, Mühlknappe, Bergknappe, üblich.

Kobold, II. 11. Eine Art von Mittelgeistern, Gobelinus im Latein des Mittelalters, von welchen man glaubte, daß sie den Menschen eher hold als zu schaden geneigt seyen, wiewohl dieß so ziemlich von ihrer Laune und andern Umständen abhing. Der Kobold der Bergleute, oder das Bergmännchen, scheint mit Gabalis Gnomen, oder Elementargeistern von der vierten Klasse, einerley zu seyn.

Kurdé, XII. 43. Ein weites Oberkleid der türkischen Damen. S. "Letters of
Lady M. Worthley Montague" L. XXIX.

————————————

* Eine Anspielung auf den Pseudo-Frauenhut Chärea im Terenz, dem eine Magd, in der Meinung, daß er der Verschnittene sey, welchen ihre Dame zum Geschenk erhalten hatte, die junge Pamfila zu hüten gab, mit dem Auftrag, ihr, während sie nach dem Bade der Ruhe pflegte, Luft zuzufächeln. (Zurück)

————————————

Langon, II. 46. Eine kleine Stadt an der Garonne, berühmt durch ihren Wein, der für den besten unter den weißen Bourdeaux-Weinen, Vins de Grave genannt, gehalten wird. "Melanges tirés d'une grande Bibliotheque". Vol. 36 p. 94.