Er schwankte. Er murmelte etwas von Versuchung, während seine Lippen die des geliebten Weibes suchten.

Sie hob den Kopf und sah ihn an.

»Versuchung ... ja ... ich hab' so lange dagegen gekämpft, gegen die Versuchung; und ein Blick in dein Gesicht sagt mir heut wie vor Jahren, wie zwecklos – Du ... halt mich fest ... halt jetzt mich fest ...«

Ihre Stimme versagte.

Er löste sich sanft von ihr und sah sie mit überströmenden Augen an.

»Weil ich dich lieber habe als mein Leben, Gertrud, fleh' ich dich an: Komm zu dir! Trude, es geht doch nicht ... es geht nicht mehr ...«

Sie wurde schneeweiß und warf sich in einen Lehnstuhl.

»Du willst mich nicht?« fragte sie. Todesschreck verzerrte ihr Gesicht. »Du liebst also doch Maggie?«

»Maggie!« sagte Seckersdorf tonlos und preßte beide Fäuste an den Kopf. Es schüttelte ihn wie ein Fieberschauer, von seinen bebenden Lippen rang sich kaum hörbar ein Wort: »Lebe wohl ...«

»Gertrud, leb' wohl,« sagte er dann fester. »Wir zwei, wir sind am Glück vorbeigegangen. Und diese Sünde rächt sich nun an uns. Wir müssen es tragen. Tapfer sein, Kind, tapfer ...«