Die Schwestern blieben allein, in demselben Zimmer, in dem Gertrud an jenem Herbstabend bitterlich klagend an Maggies Brust gelegen, demselben, in dem sie sich Seckersdorf in die Arme geworfen hatte.
Jetzt, in Maggies Gegenwart, flackerte die lang überwundene Bitterkeit mit einer müden kleinen Flamme wieder in ihr auf, und als Maggie mit halb ersticktem Schrei ausrief: »Trude ... Trude ... was ist aus dem Leben geworden?«, antwortete sie unwillkürlich: »Die Strafe für das, was wir verfehlt haben.« Aber dann besann sie sich gleich und trat zu der Schwester, die mit brennenden Augen zum Fenster hinausstarrte.
»Eigentlich ist das ja Unsinn,« sagte sie mit der alten, lieben Stimme, und drückte den Kopf Maggies an ihre Brust. »Man kommt schon wieder in die Höhe, auch wenn man etwas versehen hat, sobald man nur entschlossen ist, alles zu tun, was die Pflicht von einem fordert. Leicht ist das nicht, aber ich hab' es vermocht. Und du, Maggie?«
»Nein, nein, nein,« sagte Maggie heftig. »Man kommt nicht mehr in die Höhe, wenn man – Gertrud, ich hab' dich nutzlos betrogen, bin selbst am Glück vorbeigetaumelt. Er hat dich nie vergessen – und ich – Lieber Gott, ich bin mutlos zu allem anderen geworden, weil ich nicht einmal das in ihm habe überwinden können.«
»Und du liebst ihn?« fragte Gertrud zögernd.
Maggie schüttelte den Kopf.
»Ich liebe ihn nicht. Ich habe niemand lieb, wenn ich es auch manchmal möchte und oft geradezu danach suche. Aber dann, Gertrud, kommt die schreckliche Kälte in mir, und hinter allem lauert diese gräßliche Frage: Wozu?«
Sie schwiegen beide eine Weile.
»Komm, Maggie,« sagte Gertrud dann. »Wir wollen hinaus, es ist so bedrückt hier. Komm in den Buchengang.«
Und sie gingen hinaus. Es war ein holdseliger Frühherbsttag. Warme, bläuliche Dünste hoben sich von den Fichten und verschwebten duftend. Die Stoppelfelder, die durch den Waldeinschnitt sahen, lagen ausgedient und ruhend in funkelnden gelben Streifen und Ecken da. Von den abgemähten Wiesen zog ein herber Feldkräutergeruch aus, und aus den Waldwegen quoll ein prickelnder, herbstlicher Atem.