Geld hatte sie vorläufig ja genug, an das »Später« brauchte sie noch nicht zu denken. Nur fort von hier, wo man sie verachtete, verriet und aus dem Wege wünschte.

Sie rief die Jungfer und ordnete das Packen an.

»Aber gnädige Frau können doch so elend nicht nach Hause,« warf die bescheiden ein. »Und die Mamsell muß doch da auch erst alles besorgen.«

»Laß, laß,« sagte Gertrud gepeinigt und hielt sich die Hände vor die Ohren. »Pack nur für alle Fälle!«

»Aber gnädige Frau sehen so furchtbar müde aus ... Und die Unruhe hier mit dem Packen,« meinte die Jungfer und sah mit ihren guten Hundeaugen besorgt ihre geliebte Herrin an.

»Ja, das ist wahr,« antwortete Gertrud, wie immer nachgebend. »Unruhe möcht' ich im Zimmer jetzt nicht haben. Packe dann wenigstens, was draußen ist. Ich bin wirklich sehr müde. Hilf mir!«

Und er kommt ja noch nicht, dachte sie ruhiger. Sonst ginge Papa morgen nicht fort. Und anmelden tut er sich bestimmt, wegen des Fuhrwerks ... Oder sollte er von Laukischken aus ...?

Sie kam nicht weiter in ihren Gedanken. Die Schlafpulver, die sie bekommen hatte, fingen an zu wirken, und so schlummerte sie ein und vergaß für viele Stunden ihre ganze bittere Not.

Das Wetter hatte sich plötzlich geändert. Die Wolken waren verflogen, der Himmel weit und blaß, die Sonne matt und kühl. Ein scharfer Wind schien ihre gelben Strahlen auseinanderzujagen, ehe sie unten ankamen. Der Weg war trocken, in den Wagengleisen hatte sich Eis angesetzt, und an der Windseite der Fichtenstämme am Waldrand glitzerte es und rann widerwillig sich lösend in schimmernden Tropfen herab.

In solchem Wetter, dem unerwünschtesten für Landtouren, kam Herr von Kurowski nach zweistündiger Fahrt auf den eisglatten Wegen in der Oberförsterei an.