»Pardon – wie ärgerlich!« sagte die Dame und zog an der Kette.

»Wollen gnädige Frau vielleicht bis zum Schaufenster dort treten, damit wir in dem helleren Licht die Schnur, oder was es ist, lösen können, ohne sie zu zerreißen?«

Die Dame fuhr zusammen und sah ihm ins Gesicht. Sie hatte eine kleine und zierliche Gestalt, rasche, lebendige Bewegungen, und ihre Farben schienen hinter dem Punktschleier jung und rosig, aber die Art ihrer eleganten Straßenkleidung zeigte doch auf den ersten Blick, daß sie mehr auf Würde als auf Jugendlichkeit Anspruch zu machen hatte.

Sie standen nun in der strahlend weißen Beleuchtung der Tapetenhandlung und sahen einander an, ohne an die Kette zu denken, prüfend und voll ängstlichen Staunens.

»Ist das möglich,« sagte die Dame leise und riß mit einem Ruck ihre Kette los, »Doktor Ender?«

Er hob den Hut und fuhr sich über die kahle Stirn. »Ja, gewiß. Und Sie? Wie ich Sie zu nennen habe, weiß ich nicht einmal. Man hat mir vor Jahren erzählt, daß Sie sich nach dem Tod von Major Splettner wieder verheiratet haben.«

Sie nickte. »Frau von Betzwold ... Irmgard Betzwold ...«

Ein nervöser Zug, der wie ein verzerrtes Lächeln aussah, zuckte um seinen Mund.

»Jawohl ... Irmgard! ... Leben Sie denn hier?«

»Ja, seit langem. Mein Mann ist Beamter. Geheimrat – im Verkehrsressort ... Und Sie?«