An dem rechten Türpfosten zusammengesunken, augenscheinlich vom Stuhl herabgestürzt, ehe sie ihren Vorsatz ausführen konnte, so fand er Käthe. Sie war nur mit ihrem langen Nachthemde bekleidet, der Kopf hing über die Brust, und die langen schwarzen Zöpfe fielen auf den Boden.

Er riß hastig den Strick herab, dann hob er sie auf und schleppte sie in das Bett, das noch die Eindrücke ihres Körpers zeigte.

»Starken Kaffee ... Äther,« rief er angstvoll der Mutter zu, die eintrat und aufschreiend davonlief.

Und dann, allein mit ihr, stieß er die Läden auf und begann zu arbeiten ... unaufhörlich ... die üblichen Bewegungen mit ihren Armen, die sich gestern noch so fest um seinen Hals geschlungen hatten und nun schon kalt waren.

Vergebens ... Das Herz schlug längst nicht mehr. Der Tod hatte schon hinter ihr gestanden, als sie ihn rief ...

Schwindlig richtete Wilhelm Born sich endlich auf. Eine kümmerliche, gelbe Herbstsonnenwelle schlug eben ins Zimmer.

Da sah er, wie die offenen, gebrochenen Augen klagend aufstarrten, wie die Brauen schmerzvoll zusammengezogen waren und wie ein krampfiger Leidenszug den erblaßten Mund umschloß.

Der Schweiß trat ihm auf die Stirn. Er griff nach der Decke.

Aber wie seine Blicke noch einmal diesen blühenden Menschenleib umspannten, der nur für ihn auf der Welt gewesen war – »Leib – Seele – jeder Gedanke« – da zwang es ihn plötzlich zu Boden.

Er legte den Kopf auf die erkaltete Brust. Erlösende Schauer leidenschaftlicher Sehnsucht überrieselten ihn ...