Ein froher Schein glitt über die heißen Gesichter, ein tiefer Atemzug hob jedem der Wanderer die Brust unter dem zerknüllten Hemd. Da wurden rasch die Hüte vom Kopf gerissen und geschwenkt. „Hurrah! Helao! Derhäm!“
Der jüngsten einer, der schlanke Kerl mit dem Feldblumensträußchen am Strohhut, fing ein Lied an; er schmetterte aus Leibeskräften, sein starker, etwas kratziger Tenor zitterte in mächtigen Schallwellen über die Bergrücken. Unten im Thal erwachte ein Echo. Das machte ihm Vergnügen; er hielt den einen Ton an, gleich stark, endlos, die Bänder am Halse schwollen ihm, sein Gesicht wurde blaurot, die Augen quollen ihm vor — immer noch!
Die anderen bewunderten ihn: „Dän kann et!“
Immer noch — da knacks, der Ton brach ab! In gekränkter Eitelkeit versuchte der Bursche noch einmal, aber die Stimme gehorchte nicht mehr.
„En Krümmel in der Tröt, saon se lao unnen zu Cöllen. Haha, en Krümmel in der Tröt.“ Die Männer lachten.
Der Sänger wurde zornesrot und räusperte sich gewaltsam.
„Looß sin,“ sagte begütigend einer der älteren und klatschte ihn freundschaftlich auf die Schulter. „Hal dei Maul, Jong! Sei net e su bubsterzig[1], de Stimm kann mer net kommandieren, se es ken Maschien on ken Framensch.“ Und dann augenzwinkernd. „Wat maanste, Lorenz, ob Lenzen Bäbb heit awend besser pariert?“
„Dat Bäbbchen?!“ Lorenz zeigte, schnell getröstet, die tadellosen Zahnreihen. „Et gitt gäckig vor Freid. Se maanen all, mir kommen erscht morjen.“ Er patschte sich auf die Lenden. „Helao, dat gitt ebbes! Seit Weihnachten en halw Jaohr ohne Schatz gesäß! Dat es net pläsierlich.“
„Nä, nä, dat es et aach net!“ Eine gewisse Rührung bemächtigte sich ihrer sämtlich; ein jeder dachte an die, die an seiner Brust liegen würde. Die Ehemänner dachten an ihre Frauen, die Ledigen an die Mädchen, die sie beim letzten Besuch zu Weihnachten am heißesten geküßt, heiß geküßt im kalten Schnee. Und jetzt war Sommer — die hatten lange fasten müssen!
„Dat gitt en Freid!“ Man warf sich in die Brust, man brachte ja das Glück. Schnell noch einen Blick hinunter in’s dämmernde Thal. Da warteten die Hütten im milden Abendlicht, leichter Rauch kräuselte sich vom heimischen Herd. Da träumten die Wiesen, und die Büsche am Waldsaum lockten mit verschwiegenem Dunkel.