Es war heiß geworden, die Luft in der Wirtsstube stickig, von Pfeifenqualm erfüllt. Die kleine Josefine quäkte unruhig. Frau Dauwenspeck hatte sie der jungen Mutter abgenommen, schaukelte sie hin und her und gab ab und zu ein beruhigendes Kläpschen auf die Rückseite des fest zugebündelten Stechkissens.

Einer der jungen Männer, der Schnakenbergs Hendrich aus der ›Windmühl‹, pfiff der Kleinen freundlich etwas vor, ein Rheinländer war’s – hei, fuhr der allen in die Beine! Man stand auf und fing an zu schleifen. Der Zillges war ein rechter Schalk, ehe seine Josefine Cordula sich dessen versah, hatte er sie um die Taille gefaßt: vier Schritt nach links, vier nach rechts, schwenkt euch rund, immer rund! Weiß Gott, der tanzte seine rheinische Polka noch wie ein Junger.

Trina war auch von der Bank aufgesprungen, sie stellte sich auf die Zehen und reckte sich hinter’m Tisch, um Großvater und Großmutter tanzen zu sehen, und lachte unbändig. Rosig und hübsch sah sie aus. Wie lange nicht, vertieften sich die Lachgrübchen in ihren runden Wangen, ihre Augen glitzerten vor Vergnügen; nun streckte sie den Finger aus und kreischte laut auf. Sie hatte einen ganz kleinen Schwips.

Der schwarze Hendrich, der früher schon immer ein Auge auf sie gehabt, voltigierte hinter den Tisch und zog sie vor. Ob sie sich auch kichernd sträubte, er drehte sie ein paarmal herum, nur ein paarmal; sie waren noch kaum vom Tisch weggekommen, da stockte ihr der Atem – jemand war eingetreten, ein strammer Langer, in Uniform – da – da – der Feldwebel!

Mitten in der Stube stand er und sah sie an mit einem bösen Gesicht.

Es war eine unangenehme Überraschung für beide Teile. Frau Trina wurde noch glühender rot, des Feldwebels gebräuntes Gesicht wurde fahl.

Aha, da war er ja gerade zur rechten Zeit gekommen! Also darum hatte es ihn innerlich so getrieben, daß er sich in Wesel, nachdem er in später Nacht seine Gefangenen eingebracht und den Ablieferungsschein erhalten, nur wenige Stunden Rast gegönnt und im Morgengrauen bereits wieder die Rückfahrt angetreten?! In Kaiserswerth hatte er seine Mannschaft hinter sich gelassen und war auf einem ausgespannten Gaul heimgeritten, so rasch der müde Klepper laufen konnte.

Nur nach Haus! Eine Sehnsucht hatte ihn plötzlich ergriffen, noch heimzukommen am Tauftag seines Kindes. Ganz wollte er doch nicht fehlen; auch die Käthe würde sich freuen, wenn er noch kam.

Er hatte von seinem Vater einen Siegesthaler von anno 13 ererbt – eine Öse war schon daran – da sollte die Käthe gleich ein Schnürchen durchziehen, und er wollte ihn seiner Tochter heute um den Hals hängen als einen Talisman. Er war ganz glücklich in dieser Idee.

Was der Wachtmeister Rinke wohl sagen würde, wenn er wüßte, daß sich sein Enkelkind an seinem Siegesthaler einmal die Zähnchen durchbeißen könnte?! Freuen thäte der sich.