Der Knabe sah ihn an, als habe er ihn nicht recht verstanden.

»Lauf,« sagte er noch einmal kurz und bündig und lächelte dabei.

Da stieß der Junge einen Schrei aus, einen so gellend-jauchzenden Schrei, daß die Kameraden, die auf den Hacken ums Kartoffelfeuerchen kauerten, sofort mit einstimmten, ohne zu wissen warum.

Im dunklen Auge des Knaben, der die Freiheit liebte, die freie Luft, den freien Lauf, flammte es auf. Er sagte es nicht, daß er beglückt war, aber er schöpfte so tief Atem, als fiele ihm eine Last von der Brust. Und Schlieben sah auf dem Gesicht, das jetzt anfing sich zu vergröbern, die weiche Rundung der Kindlichkeit im Mager-Jungenhaften zu verlieren, einen Zug, der es fein und schön machte.

Blitzschnell, wie aus straffem Bogen geschnellt, flog Wolfgang zurück übers Feld.

Schlieben ging in seinen Garten zurück; vorsichtig, damit sie nicht knarrte, öffnete er die Gittertür und schloß sie ebenso leise wieder – Käte brauchte es nicht zu wissen, wo er gewesen war! Aber da stand sie schon am Fenster.

Es war etwas rührend Ratloses in ihrer Haltung, ein bängliches Forschen in ihrem Blick – nein, sie brauchte ihn so nicht anzusehen, er war ihr nicht böse!

Und er nickte ihr zu.

Als das Hausmädchen fragte, ob der Herr nicht wisse, wo der Junge sei, schon dreimal habe sie nun die Milch warm machen lassen und auf- und abgetragen, sagte er fast kleinlaut, mit einer Entschuldigung im Ton: »Na, das ist ja nicht so schlimm, Lisbeth! Wärmen Sie sie nachher zum vierten Mal – es ist ihm so gesund draußen!«