Ernst Theodor Wilhelm (durch einen Druckfehler in Amadeus verwandelt) Hoffmann wurde am 24. Januar 1776 in Königsberg geboren und war im preußischen Justizdienst (zuletzt in Warschau) tätig, bis er durch den Zusammenbruch des preußischen Staates 1806 brotlos wurde. Als Musikdirektor half er sich durch, bis er 1816 wieder als Rat bei dem Kgl. Kammergericht in Berlin angestellt werden konnte. Er starb am 24. Juli 1822 an der Rückenmarksschwindsucht.

Seine Dichtungen sind fast alle von dem Humor durchzogen, mit dem er, unterstützt durch seinen scharfen Verstand, den Menschen und Dingen die lächerlichen Seiten absah. Aber wie er im Leben bei all seiner beruflichen Tüchtigkeit wild, ungebunden, ein Nachtschwärmer war – so spielt auch in seinen Werken das Abenteuerliche, das Phantastische, das Unheimliche die größte Rolle. Grauenerregend ist die Schilderung der Spukgestalten, die in so vielen seiner Schriften vorkommen. Dabei ist Hoffmann kein Meister der Sprache, sein Ausdruck ist ungelenk; nur ihre unnachahmliche Anschaulichkeit verleiht seinen Schilderungen eine solche Lebendigkeit, daß man glaubhaft versicherte, er hätte sich vor seinen eigenen Spukgestalten gefürchtet.

»Die Königsbraut« ist viel freundlicher gehalten als die meisten anderen Hoffmannschen Erzählungen; das Dämonische spielt aber selbst in die hier geschilderte Philisterwelt hinein.

E. S.

Die Königsbraut.

Ein nach der Natur entworfenes Märchen.
(Aus den »Serapionsbrüdern«).

Erstes Kapitel.

In dem von verschiedenen Personen und ihren Verhältnissen Nachricht gegeben, und alles Erstaunliche und höchst Wunderbare, das die folgenden Kapitel enthalten sollen, vorbereitet wird auf angenehme Weise.

Es war ein gesegnetes Jahr. Auf den Feldern grünte und blühte gar herrlich Korn und Weizen und Gerste und Hafer; die Bauerjungen gingen in die Schoten, und das liebe Vieh in den Klee; die Bäume hingen so voller Kirschen, daß das ganze Heer der Sperlinge, trotz dem besten Willen, alles kahl zu picken, die Hälfte übrig lassen mußte zu sonstiger Verspeisung. Alles schmauste sich satt tagtäglich an der großen, offnen Gasttafel der Natur. – Vor allen Dingen stand aber in dem Küchengarten des Herrn Dapsul von Zabelthau das Gemüse so über die Maßen schön, daß es kein Wunder zu nennen, wenn Fräulein Ännchen vor Freude darüber ganz außer sich geriet. –

Nötig scheint es, gleich zu sagen, wer Beide waren, Herr Dapsul von Zabelthau und Fräulein Ännchen.