Alle, die sie einst beneidet,
Weil sie kunstreich, schön und fromm,
Glauben, wo sie hin nur schreitet,
Daß die irdsche Venus komm.

Also frech ist ihr Bezeigen,
Jedem Buben scheint sie eigen,
Ich erschrecke und muß schweigen.

** Romanze XX: Rosarosens Leichenzug

Frühe Sonne, frühe Sonne,
Ach wo bist du hingesunken!
All des Tages Jugendwonne
Ist im Morgenrot ertrunken.

Deine wunderselgen Augen,
Inseln aus des Himmels Seen,
Sah ich steigen, untertauchen
In des Morgens erstem Wehn.

Und es steigt ein Nebelschleier
Übers tiefe, stille Blau,
Eine einsam tiefe Feier
Breitet sich durch Wald und Au.

Ruhig unbewegte Bäume,
Kein Gesang, kein Blattgeräusch;
Spinnet ihr die nächtgen Träume
Wieder an, ihr Blumen keusch?

O Bologna, deine Zinnen,
Die gelacht im Sonnenstrahl,
Seh ich bösen Schmuck gewinnen:
Schwarze Flaggen überall!

Alle Buden sind geschlossen,
Trauerteppche hängen aus,
Durch die Straßen weit ergossen
Reget sich ein Volksgebraus.

Aber mitten durchs Gedränge
Gehet eine freie Bahn,
Und es wirft die rege Menge
Blumen auf den offnen Plan.