Am Horizont, bald näher, bald ferner, tauchen sie jetzt immer zahlreicher auf. Es sind die Forts, die der Mensch in die Wüste gebaut hat. Dazwischen ein Schlachtfeld aufgerissenen, durch Pulver und Dynamit zerstörten Bodens, dem das kostbare Mineral entnommen wird. Geleise, Rampen, Feldbahnen, rauchende Lokomotiven und stöhnende Mulas vor schwerbeladenen Karren. Aber alles weit verstreut in der Wüste, in einer braungelben Öde, über die sengend und blendend die Sonne brennt.

Ab und zu hält der Zug, wo eine Zweigbahn zu einer Oficina führt. Da steht eine Wellblechbaracke als Station. Aber es gibt auch größere Stationen, wo eine ganze Zeile Häuser steht. Das sind die Städte der Pampa. Hier gibt es „Hotels“, „Restaurants“, Kinos, Läden und vor allem Kneipen, in denen der Arbeiter seinen Wochenlohn verspielen und vertrinken kann. Es sind buntgestrichene Häuser — aus Wellblech natürlich — mit pompösen Namen, die in der öden, durchglühten Wüste wie grell geschminkte, alternde Dirnen erscheinen. Und man weiß nicht, was erschütternder wirkt: ihr Anblick oder der der Gräber, die man nicht allzu selten längs der Bahn sieht, Gräber, wie im Felde: ein flacher Hügel mit einfachem Holzkreuz und davor ein Strohkranz oder ein Radreifen, wenn es nur etwas Rundes ist.

An beiden vorbei aber rollen Tag für Tag die Züge, die endlos langen Züge mit den schweren Säcken — so schwer, daß ein Mann sie keuchend gerade tragen kann — voll des weißglänzenden Minerals, dem die Chilenen bisher Steuerfreiheit und glückliche Aktienbesitzer in Valparaiso, New York, Paris oder London ein verschwenderisches, sorgenloses Leben verdankten.

31. Oficina.

Peineta.

Seltsam, daß im Süden wie im Norden Chiles die Landschaft an die Schlachtfelder in Frankreich erinnert. Gleicht der Süden mit seinen verkohlten Baumstümpfen zwischen den Feldern Gegenden, in denen nach mörderischer Schlacht neues Leben erblühte, so ähnelt die Salpeterwüste des Nordens jenen unglücklichen Landstrichen von Ypern und an der Somme, in denen der Eisenhagel die Eingeweide der Erde um und um wühlte.

Calichera, Salpeterfeld! — Heißer Stein, heiße Arbeit! Ein halbes bis ein Meter tief liegt der Caliche, das kostbare Mineral, unter taubem, wertlosem Gestein. Sprenglöcher werden gebohrt, mühsame, wochenlange Arbeit mit Schlegel und Eisen, mit selbstbereitetem Schwarzpulver gefüllt — Salpeter gibt es ja genug, Schwefel liefern die nahen Schwefelfabriken, Kohle die Bahn — und gesprengt. Die hohen, schwarzen Rauchwolken inmitten all der Sprengtrichter vollenden den Eindruck des Schlachtfelds.

In den heißen Kesseln der Sprengtrichter, die sich bald schützengrabenartig aneinanderreihen, geht die harte Arbeit des Losbrechens und Zerkleinerns des Caliche weiter. Das Mineral ähnelt in Form und Farbe dem es deckenden Stein. Der Laie vermag einen vom andern nicht zu unterscheiden, und auch der Aufseher bedarf der brennenden Lunte, um den Salpetergehalt des zu brechenden Minerals zu prüfen.